ZDK reformiert sich radikal – und trennt sich vom Handwerksverband ZVK
Lukas BraunZDK reformiert sich radikal – und trennt sich vom Handwerksverband ZVK
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat tiefgreifende Satzungsreformen durchgesetzt, die seine Struktur und Führung grundlegend neu gestalten sollen. Die im Januar bekannt gegebenen Änderungen werden von Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler als Schritt zu mehr Transparenz und einer besseren Abbildung der Branchenrealität beschrieben. Die Reformen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeug-Handwerk (ZVK), wobei beide Seiten nun einen Weg einschlagen, der in eine institutionelle Trennung zu münden scheint.
Der ZDK begründet den Umbruch als notwendige Reaktion auf sich wandelnde Branchenanforderungen. Eine zentrale Neuerung beendet die langjährige Praxis gemeinsamer Personalien in den Gremien. Garantierte Sitze für ZVK-Vorstandsmitglieder im ZDK-Präsidium wurden ebenfalls abgeschafft, wodurch die personellen Überschneidungen zwischen den beiden Verbänden reduziert werden.
Die Ausschüsse des ZDK konzentrieren sich künftig ausschließlich auf beratende Funktionen, während offizielle Stellungnahmen zentralisiert werden, um widersprüchliche öffentliche Botschaften zu vermeiden. Der Verband betont, dass künftige Personalentscheidungen durch demokratische Abstimmungen in der Mitgliederversammlung getroffen werden – ein klares Nein zu ererbten Anspruchsdenken bei Vorstandsposten.
Den Reformen ging ein langwieriger Streit um die Abgasuntersuchungsgebühren (AÜK) voraus, auch wenn die juristischen Auseinandersetzungen auf diesem Gebiet inzwischen an Fahrt verloren haben. Der ZDK behauptet, die Trennung vom ZVK sei kein Zufall, sondern ein "bewusst herbeigeführtes Szenario" gewesen, um die Spaltung zu erzwingen. Um mögliche Mitgliederverluste abzufedern, führt der Verband direkte Beitrittsmöglichkeiten für Werkstätten ein, die sich der Bonner Zentrale anschließen können. Zudem intensiviert er sein Engagement in Regionen wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, wo er künftig gezielt markengebundene Autohäuser ansprechen will.
Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün, der den ZVK vertritt, hält dagegen, dass allein der Handwerksverband die Interessen der Werkstätten authentisch vertreten könne. Der ZDK hingegen sieht in seiner neuen Ausrichtung eine Chance, sich zu modernisieren und seine Position in der Automobilbranche zu stärken.
Die Januar-Reformen markieren den ersten formalen Schritt in einer Entwicklung, die auf eine unumkehrbare Trennung zwischen ZDK und ZVK hinausläuft. Mit dem Abbau gemeinsamer Führungsstrukturen und neuen Mitgliedschaftsstrategien positioniert sich der ZDK für eine eigenständigere Zukunft. Die nächste Phase wird maßgeblich davon abhängen, wie Werkstätten und Autohäuser auf die direkten Anwerbebemühungen des Verbandes reagieren.