Vom Hamburger Stolz zur russischen Krusenstern: Das letzte Segelschiff der Flying P-Liner
Lukas BraunVom Hamburger Stolz zur russischen Krusenstern: Das letzte Segelschiff der Flying P-Liner
Das letzte große Segelschiff aus Hamburgs goldener Ära durchpflügt noch heute die Wellen – wenn auch unter einem anderen Namen. 1925 als Padua vom Stapel gelaufen, transportierte dieser fünfmastige Stahl-Windjammer einst Salpeter in Rekordzeit über den Atlantik. Heute dient er als russisches Schulschiff Krusenstern – ein lebendiges Relikt aus der Zeit, als Segel und Dampf noch im Wettstreit lagen.
Die Padua entstand bei Blohm & Voss im Auftrag der Reederei F. Laeisz. Als Teil der legendären Flying P-Liner zählte sie zu den schnellsten und modernsten Segelschiffen ihrer Epoche. Konzipiert für den harten Salpeterhandel zwischen Europa und Chile, verkörperte sie den Höhepunkt der Segelschifftechnik, kurz bevor motorisierte Schiffe die Meere eroberten.
Für viele reichte die Faszination des Meeres weit über die Schiffe hinaus – bis in die Musik. Hans Albers, der "blonde Hans", wurde mit Seemannsliedern und Rollen wie dem Hannes Kröger in Große Freiheit Nr. 7 zur Ikone der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Film von 1944 fing die Sehnsucht eines Matrosen nach dem weiten Ozean ein, ein Thema, das tiefen Widerhall fand.
Aufgewachsen in der Nähe der Howaldtswerke in Kiel, erinnert sich ein Autor an den Zauber des Seefahrerlebens. Zu den Kindheitslieblingen zählten Shanties von Freddy Quinn, Lale Andersen und Albers selbst. Selbst ein kurzes Gastspiel im Kirchenchor brachte eine unerwartete Verbindung: das gemeinsame Singen mit einem Mitglied des Lotsen-Gesangvereins, eines Chors aus See-Lotsen.
Das Erbe der Padua lebt weiter – als aktives Schiff und als Teil einer kulturellen Liebe zum Meer. Von Hamburgs Hafenbecken bis zu Kieler Werften hinterließ die Ära der Segelschifffahrt Spuren: nicht nur in Stahl und Holz, sondern in Liedern und Geschichten, die bis heute nachklingen. Die Krusenstern bleibt eine greifbare Brücke in diese versunkene Welt.






