Thüringens Justiz am Limit: 130.000 neue Fälle und chronischer Personalmangel
Lukas BraunMehr Anklagen trotz Personalmangels im Justizsystem Thüringens - Thüringens Justiz am Limit: 130.000 neue Fälle und chronischer Personalmangel
Thüringens Staatsanwaltschaften bearbeiteten 2025 insgesamt 130.604 neue Fälle und erhoben 10.637 Anklagen – ein leichter Anstieg um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz Bemühungen, den Personalmangel zu beheben, bleibt das System wirmachendruck: Bis Jahresende waren noch 29.554 Ermittlungsverfahren offen.
Die Justiz in Thüringen sah sich auch 2025 weiterhin mit anhaltenden Herausforderungen konfrontiert. Die Zahl der eingestellten Verfahren sank um 7,4 Prozent gegenüber 2024. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer eines Falls verlängerte sich auf 2,7 Monate.
Um die Arbeitslast zu verringern, wurden über 60 Richter auf Probe eingestellt, von denen 60 Prozent in der Strafverfolgung eingesetzt wurden. Dennoch bestand ein Mangel von etwa 35 Staatsanwälten fort, was die Ressourcen zusätzlich belastete.
Bei der Digitalisierung gab es nur langsame Fortschritte, insbesondere in den Zivilgerichten, wo die technische Infrastruktur hinterherhinkte. Auch die Digitalisierung im Strafrecht schritt nur zögerlich voran. Unterdessen forderte der Thüringer Richterbund dringendes Handeln beim blockierten "Pakt für den Rechtsstaat" – einem geplanten Abkommen zur Schaffung neuer Richterstellen und zur Beschleunigung der digitalen Reformen. Die Ablehnung Bayerns verzögert dessen Umsetzung.
Thüringens Staatsanwälte kämpfen weiterhin mit hohen Fallzahlen und Personalengpässen. Der Druck für digitale Aufrüstung und zusätzliche Stellen hängt davon ab, ob die politischen Streitigkeiten um den "Pakt für den Rechtsstaat" gelöst werden können. Ohne Fortschritte drohen auch im kommenden Jahr Verzögerungen und Rückstaus.






