Stuttgarts Wirtschaft fühlt sich von der Stadtführung im Stich gelassen
Tim SimonIHK kritisiert mangelnde Wirtschaftspolitik in Stuttgart - Stuttgarts Wirtschaft fühlt sich von der Stadtführung im Stich gelassen
Stuttgarter Wirtschaftsführer werfen der Stadt mangelnde Unterstützung für lokale Unternehmen vor
Susanne Herre, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart, kritisiert, dass es in der Landeshauptstadt keine klare Wirtschaftstrategie gebe. Zudem warf sie Oberbürgermeister Frank Nopper vor, sich nicht ausreichend für die Interessen der Unternehmen einzusetzen und diese vor Steuererhöhungen nicht zu konsultieren.
Die Verärgerung der IHK entstand, nachdem Stuttgart überraschend die Gewerbesteuer angehoben hatte. Herre betonte, dass diese Erhöhung ohne vorherige Absprache mit der Wirtschaft erfolgte. Zusammen mit sinkenden Steuereinnahmen zwang dieser Schritt die Stadt noch vor Weihnachten zur Verabschiedung eines Sparhaushalts.
Herre wies zudem auf tiefgreifendere Probleme in der Stadtverwaltung hin. Ihrer Meinung nach fehlt es Stuttgart an einer kohärenten Wirtschaftspolitik, und die Verantwortlichen schafften es nicht, Herausforderungen in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Die politischen und administrativen Gremien der Stadt würden zentrale wirtschaftliche Anliegen nicht wirksam angehen, so Herre. Über die Steuerpolitik hinaus forderte sie dringende Verbesserungen im städtischen Handeln: Bürokratie müsse abgebaut, die Digitalisierung beschleunigt und die seit Langem bestehenden Probleme im Bauamt behoben werden. Auch die Effizienz der Ausländerbehörde bedürfe einer Überarbeitung, fügte sie hinzu. Herre unterstrich, dass Stuttgart für Investoren attraktiver werden müsse – und dass Projekte ohne unnötige Verzögerungen vorankommen müssten.
Die Kritik erstreckt sich auch auf die mangelnde Kommunikation zwischen der Stadt und der Wirtschaft. Herre behauptet, dass Noppers Verwaltung es wiederholt versäumt habe, sich mit Unternehmen auszutauschen oder deren Belange angemessen zu vertreten.
Die Vorwürfe der Handelskammer verdeutlichen die anhaltenden Spannungen zwischen der Stuttgarter Stadtführung und der Wirtschaft. Ohne bessere Abstimmung, durchdachte Steuerpolitik und effizientere Verwaltungsabläufe droht der Stadt weitere wirtschaftliche Belastung. Herres Forderungen nach schnelleren Reformen und klareren Strategien bleiben vorerst unerfüllt.