Streit um Kürzungen: "Demokratie leben!" droht das Aus für 200 Projekte bis 2025
Marie SchulzStreit um Kürzungen: "Demokratie leben!" droht das Aus für 200 Projekte bis 2025
Ein politischer Streit ist über Pläne entbrannt, die Finanzierung des deutschen Programms "Demokratie leben!" zu kürzen. Die Initiative, die 2014 nach den rechtsextremen NSU-Morden ins Leben gerufen wurde, steht nun vor einer grundlegenden Umstrukturierung, durch die bis Jahresende über 200 Projekte ihre Förderung verlieren könnten. SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken gerät dabei in scharfen Konflikt mit CDU-Ministern, denen sie vorwirft, zivilgesellschaftliches Engagement zu untergraben.
Das Programm "Demokratie leben!" erhält derzeit jährlich 200 Millionen Euro. Es wurde eingerichtet, um Extremismus entgegenzuwirken und demokratisches Engagement nach den NSU-Morden zu stärken. Nun treibt Familienministerin Karin Prien (CDU) eine Reform voran und argumentiert, dass zwar Teile des Programms erfolgreich seien, eine Überarbeitung aber längst überfällig sei.
Die Linke reagierte mit einem Antrag auf eine Debatte über die Kürzungen. Ihre Abgeordnete Clara Bünger kritisierte die Union scharf und warf ihr vor, die Änderungen würden die Zivilgesellschaft schwächen und indirekt der rechtspopulistischen AfD in die Hände spielen. AfD-Abgeordnete wie Kay Gottschalk und Martin Reichardt begrüßten hingegen die Pläne – Reichardt forderte sogar die vollständige Abschaffung des Programms.
SPD-Politikerin Saskia Esken nannte die Organisation HateAid, die sich gegen Hass im Netz engagiert, als eines der Hauptopfer der Kürzungen. Sie bezeichnete den Schritt als "beschämend", während der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß die Streichung der Mittel für HateAid in den sozialen Medien feierte. Der SPD-Kollege Felix Döring verteidigte zwar grundsätzlich das Engagement der Koalition, stellte jedoch Priens konkrete Reformbegründungen infrage.
Der Streit um die Finanzierung offenbart tiefe Gräben zwischen den Koalitionspartnern und der Opposition. Über 200 Demokratieprojekte blicken einer ungewissen Zukunft entgegen, da die Kürzungen noch vor 2025 wirksam werden sollen. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob die Reformen das Programm effizienter gestalten – oder ob sie kritische zivilgesellschaftliche Arbeit im Stich lassen.






