07 June 2026, 06:12

Organspende-Reform: Soll jeder automatisch Spender sein?

Berliner haben bisher in diesem Jahr mehr Organe gespendet

Organspende-Reform: Soll jeder automatisch Spender sein?

Eine überparteiliche Gruppe deutscher Abgeordnete setzt sich für eine grundlegende Reform der Organspende-Regeln ein. Nach ihrem Vorschlag würden alle volljährigen, einwilligungsfähigen Bürger automatisch zu potenziellen Organspendern – es sei denn, sie widersprechen aktiv. Sollte das neue System genehmigt werden, würde es 2030 in Kraft treten und die bisherige Regelung ersetzen, die eine ausdrückliche Zustimmung der Spender oder ihrer Angehörigen verlangt.

Das aktuelle deutsche System erfordert eine klare Erlaubnis, bevor Organe entnommen werden dürfen – entweder durch eine vorherige Willenserklärung des Spenders oder die Zustimmung eines Angehörigen. Diese Praxis führt dazu, dass Tausende Patienten auf lebensrettende Transplantationen warten. Im Jahr 2025 erhielten nur 3.150 Menschen ein Spenderorgan, während etwa 8.200 auf der nationalen Warteliste blieben.

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Aktuelle Zahlen zeigen zwar eine leichte Verbesserung der Spendebereitschaft: Bundesweit stiegen die Organspenden in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 um rund 12 Prozent – von 1.253 im Vorjahreszeitraum auf 1.405. Besonders deutlich war der Anstieg in Berlin, wo zwischen Januar und Mai 2026 insgesamt 73 Spenderorgane registriert wurden – fast doppelt so viele wie die 39 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trotz dieses Fortschritts warten allein in der Hauptstadt noch über 400 Menschen auf ein Spenderorgan; bis Ende Mai wurden dort knapp 140 Transplantationen durchgeführt.

Das geplante Widerspruchsmodell soll den anhaltenden Mangel an Spenderorganen bekämpfen. Indem die Zustimmung zur Organspende grundsätzlich angenommen wird – sofern sich Betroffene nicht aktiv dagegen entscheiden –, erhoffen sich die Befürworter eine deutliche Steigerung der verfügbaren Organe. Würde die Reform umgesetzt, wäre dies ein bedeutender Wandel in der deutschen Organspende-Politik.

Falls der Gesetzentwurf verabschiedet wird, würden ab 2030 alle einwilligungsfähigen Erwachsenen automatisch als potenzielle Spender gelten. Diese Änderung könnte die Lücke zwischen verfügbaren Organen und dem tatsächlichen Bedarf verringern. Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass trotz langsam steigender Spendenzahlen weiterhin Tausende auf ein lebensrettendes Organ warten.

Quelle