Nordsee-Gipfel in Hamburg: Windkraft-Ausbau zwischen Wirtschaftswachstum und Ökologie-Protesten
Marie SchulzUmweltgruppen kritisieren mangelnde Beteiligung vor Gipfeltreffen - Nordsee-Gipfel in Hamburg: Windkraft-Ausbau zwischen Wirtschaftswachstum und Ökologie-Protesten
Nordsee-Gipfel in Hamburg: Deutschland will Offshore-Windkraft massiv ausbauen – doch Umweltschützer üben Kritik
In Hamburg findet demnächst ein internationaler Nordsee-Gipfel statt, bei dem es um die beschleunigte Expansion der Offshore-Windenergie geht. Zu der Veranstaltung werden Staats- und Regierungschefs, hochrangige Politiker sowie Vertreter der Energiewirtschaft erwartet, um über künftige Strategien zu beraten. Umweltverbände haben jedoch bereits im Vorfeld Bedenken geäußert – sowohl zu den inhaltlichen Schwerpunkten des Gipfels als auch zum mangelnden Einbezug der Öffentlichkeit.
Ziel des Treffens ist es, den Ausbau der Windkraft in der Nordseeregion voranzutreiben. Die deutschen Minister Annalena Baerbock (Außen) und Robert Habeck (Wirtschaft) setzen sich für eine Reform der Vergabeverfahren für Windparkflächen ein. Ihr Vorschlag sieht vor, das bisherige System durch wettbewerbliche Ausschreibungen zu ersetzen, an denen sich neben Großkonzernen auch Bürgerinitiativen und Kommunen beteiligen können. Damit soll die Dominanz weniger Unternehmen gebrochen und die Teilhabe der Bevölkerung an Energiewende-Projekten gestärkt werden.
Umweltorganisationen kritisieren jedoch die Vorbereitung des Gipfels: Wirtschaftliche Interessen würden den Schutz der Meeresökosysteme überlagern, so der Vorwurf. Zu den zentralen Forderungen gehören strengere Regeln, um den Bau von Energieinfrastruktur in geschützten Meeresgebieten zu verhindern. Zudem sollen Seekabel, wann immer möglich, außerhalb dieser Zonen verlegt werden. Zwar verbietet das deutsche Recht bereits Windparks in marinen Schutzgebieten, doch Umweltschützer fordern eine konsequentere Umsetzung. Darüber hinaus verlangen sie grundlegende Reformen bei der Vergabe von Windparkflächen. Dazu zählen eine stärkere Gewichtung nicht-preislicher Kriterien wie Umweltverträglichkeit sowie die Einführung einheitlicher EU-weiter Standards. Nur so ließe sich ein fairer und nachhaltiger Ausbau der Offshore-Windenergie gewährleisten, argumentieren die Verbände.
Die Ergebnisse des Gipfels könnten wegweisend für die künftige Windenergiepolitik in Deutschland und der EU sein. Sollten die vorgeschlagenen Reformen umgesetzt werden, würde dies den Bietprozess für lokale Akteure öffnen und den Umweltschutz stärken. Ob der Gipfel jedoch gelingt, hängt davon ab, ob es den Verantwortlichen gelingt, das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Wachstum, ökologischen Belangen und öffentlicher Teilhabe auszubalancieren.