NDR kämpft um zensierte Passagen im Fall Julian Reichelt – was steckt dahinter?
Tim SimonNDR kämpft um zensierte Passagen im Fall Julian Reichelt – was steckt dahinter?
Der Rechtsstreit um den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt zieht sich weiter hin – fast zwei Jahre, nachdem die ersten Vorwürfe bekannt wurden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender NDR treibt nun ein vollständiges Gerichtsverfahren voran, um zensierte Passagen seiner Berichterstattung über den Fall wiederherzustellen. Der Schritt folgt einer einstweiligen Verfügung, die Reichelt erwirkt hatte und die zur Streichung zentraler Aussagen aus den ARD-Beiträgen führte.
Die Affäre begann 2022, als der Spiegel erstmals über Anschuldigungen gegen Reichelt berichtete. Mehrere Frauen warfen ihm vor, sie zu sexuellen Beziehungen gedrängt zu haben, darunter während seiner Zeit bei Bild. Eine interne Untersuchung seines damaligen Arbeitgebers Axel Springer führte dazu, dass einige der Frauen berufliche Konsequenzen erlitten, nachdem sie sich geäußert hatten.
2023 sendete das ARD-Format Reschke Fernsehen weitere Vorwürfe, die die früheren Behauptungen untermauerten. Reichelt reagierte jedoch mit einer einstweiligen Verfügung, die den Sender zwang, Teile der Sendung zu zensieren. Das ursprüngliche Material ist mittlerweile nicht mehr abrufbar, da die Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.
Der NDR hat inzwischen angekündigt, Zeugen zu laden – darunter eine Frau, die Reichelt vorwirft, sie zu einer Beziehung genötigt zu haben. Warum der Sender den Fall weiterverfolgt, obwohl das deutsche Justizsystem für seine Langsamkeit bekannt ist, besonders in Presserechtsstreitigkeiten, blieb unklar. Reichelt beteuert weiterhin seine Unschuld und stellt die Vorwürfe als Teil einer politisch motivierten Kampagne gegen seine Person dar.
Im Mittelpunkt des Rechtsstreits steht nun die Frage, ob der NDR die zensierten Abschnitte seiner Berichterstattung wiederherstellen darf. Mit den erwarteten Zeugenaussagen könnten neue Details ans Licht kommen. Bis dahin bleibt die vollständige Aufklärung der Reichelt-Affäre weiter offen.






