Merz fordert Europas radikale Abkehr von den USA und mehr Eigenständigkeit
Tim SimonMerz fordert größere EU-Unabhängigkeit von den USA - Merz fordert Europas radikale Abkehr von den USA und mehr Eigenständigkeit
Friedrich Merz fordert Europas Unabhängigkeit von den USA und anderen Globalmächten
Bundeskanzler Friedrich Merz hat Europa aufgefordert, eine größere Unabhängigkeit von den USA und anderen globalen Mächten anzustreben. In einer jüngsten Rede betonte er, der Kontinent habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten an wirtschaftlicher Stärke verloren, weil er Wachstumschancen nicht genutzt habe.
Nun fordert er mutige Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit und den politischen Einfluss Europas in einer sich wandelnden Weltordnung wiederherzustellen.
Merz kritisierte die EU für jahrelange verzögerte Reformen, übermäßige Regulierung und einen unrealistischen Perfektionismus. Diese Versäumnisse hätten die wirtschaftliche Position Europas geschwächt und es zu stark von externen Partnern abhängig gemacht, so der Kanzler.
Seine Äußerungen spiegeln einen grundlegenden Wandel in der EU-Politik wider. Seit den frühen 2000er-Jahren hat sich der Block von einer uneingeschränkten Globalisierungsbefürwortung hin zu einer Priorisierung der strategischen Autonomie bewegt. Wichtige Wendepunkte waren die Finanzkrise 2008, Russlands Invasion in der Ukraine 2022 und die zunehmenden Handelskonflikte zwischen den USA und China. Initiativen wie der European Chips Act und das Gesetz über kritische Rohstoffe zielen nun darauf ab, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten bei Halbleitern, Batterien und Seltenen Erden zu verringern. Frühere Meilensteine wie Emmanuel Macrons Autonomie-Initiative von 2017 und die EU-Industriestrategie von 2020 ebneten den Weg für diesen Kurs.
Merz betonte, Europa müsse seine Verteidigungskraft wiederaufbauen – nicht allein durch Bündnisse, sondern durch den Ausbau eigener Fähigkeiten. Zwar räumte er ein, dass sich die transatlantischen Beziehungen verändert hätten, doch die EU müsse sich nun auf technologische und wirtschaftliche Eigenständigkeit konzentrieren.
Langfristig strebt er ein souveränes Europa an, das frei, friedlich und wirtschaftlich dynamisch ist. Deutschland, so Merz, könnte eine Vorreiterrolle in einem Netzwerk agiler, gleichgesinnter Staaten übernehmen, die sich für Multilateralismus und fairen Handel einsetzen. Zudem verwies er auf Chancen, mit aufstrebenden demokratischen Nationen zusammenzuarbeiten, die auf gegenseitigen Respekt und stabile Regeln setzen.
Um dies zu erreichen, forderte Merz eine Rückkehr zu grundlegenden Prinzipien: Ehrgeiz, Mut und entschlossenes Handeln. Ohne diese, warnte er, drohe Europa in der neuen globalen Ordnung weiter zurückzufallen.
Seine Vorschläge deuten auf einen Vorstoß für tiefgreifende EU-Reformen und eine geringere Abhängigkeit von den USA hin. Seine Vision umfasst ein wettbewerbsfähigeres Wirtschaftsumfeld, stärkere technologische Souveränität und engere Bindungen zu demokratischen Partnern.
Der Appell erfolgt zu einer Zeit, in der Europa unter Druck steht, sich an geopolitische Verschiebungen, den Energiewandel und die verschärfte Konkurrenz zwischen den großen Volkswirtschaften anzupassen.