Kampf um López Velardes Casa del Poeta: Kulturerbe oder politisches Machtspiel?
Tim SimonKampf um López Velardes Casa del Poeta: Kulturerbe oder politisches Machtspiel?
Das Haus des Dichters Ramón López Velarde in Mexiko-Stadt steht im Mittelpunkt einer wachsenden Kontroverse. Während Kulturministerin Ana Francis Mor kürzlich das Haus der Worte einweihte – eine neue Initiative zur Förderung von Lyrik und Dichtung –, bleiben Sorgen um die Zukunft des historischen Casa del Poeta bestehen. Schriftsteller:innen und Wissenschaftler:innen werfen den Behörden Vernachlässigung und Missmanagement vor.
Der Streit entbrannte, als die Regierung Pläne vorstellte, das Casa del Poeta, einen langjährigen Treffpunkt für Lesungen, umzugestalten. Dichter:innen starteten eine Change.org-Petition, in der sie einen Stopp der Veränderungen forderten – mit der Begründung, das literarische Erbe des Ortes sei in Gefahr.
José Alfonso Suárez del Real, eine zentrale Figur in den Diskussionen, behauptete, Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum habe ihm persönlich zugesichert, dass das Casa del Poeta seinen Namen behalten und sich weiterhin der Lyrik widmen werde. Kritiker:innen wie die Schriftstellerin María Rivera wiesen solche Zusagen jedoch zurück. Sie argumentierte, der Schaden sei bereits angerichtet, und warf den Verantwortlichen Korruption sowie Gleichgültigkeit gegenüber dem kulturellen Erbe der Einrichtung vor.
Rivera lehnte auch ab, dass sich die Lage gebessert habe, und warf Suárez del Real vor, lediglich sein Gesicht wahren zu wollen. Unterdessen prangert die Literaturszene weiterhin an, was sie als Enteignung und mangelnden Respekt vor López Velardes Werk bezeichnet.
Bei der Eröffnung des Hauses der Worte betonte Ministerin Mor zwar Pläne zur Belebung der Poesie – einschließlich indigenen und afro-mexikanischen Sprachen –, erwähnte jedoch mit keinem Wort das Schicksal des Casa del Poeta oder die Bibliotheken von Salvador Novo und Efraín Huerta. Bisher haben weder die Stadtregierung noch das Kulturministerium eine offizielle Stellungnahme abgegeben.
Das Casa del Poeta bleibt damit in der Schwebe, während Dichter:innen und Intellektuelle weiter für seinen Erhalt kämpfen. Zwar versprechen Behörden, seine Identität zu bewahren, doch Kritiker:innen bestehen darauf, dass die Institution ihren ursprünglichen Zweck bereits verloren habe. Die fehlende Klarheit seitens der Verantwortlichen lässt die Zukunft dieses ikonischen literarischen Ortes ungewiss erscheinen.






