Hunderte Erzieher protestieren gegen das umstrittene KiBiz-Gesetz in NRW
Marie SchulzLauter Protest gegen Kita-Gesetz - Schäffer setzt auf Dialog - Hunderte Erzieher protestieren gegen das umstrittene KiBiz-Gesetz in NRW
Rund 300 Erzieherinnen und Erzieher versammelten sich vor dem Landtag von Nordrhein-Westfalen, um gegen das neue Frühkindbildungsgesetz zu protestieren. Die Demonstration fiel zusammen mit der Vorstellung des umstrittenen Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) durch die neu ernannte Ministerin Verena Schäffer. Kritiker befürchten, dass die Reform die Arbeitsbedingungen verschlechtern und die Betreuungsqualität in Kitas mindern wird.
Schäffer, die ihr Amt erst vor vier Tagen angetreten hat, übernahm die Position nach dem überraschenden Rücktritt ihrer Vorgängerin. Trotz ihrer kurzen Amtszeit sieht sie sich bereits mit massivem Widerstand konfrontiert. Hauptkritikpunkt der Protestierenden ist das sogenannte "Kernzeitenmodell", das die Anwesenheit qualifizierter Fachkräfte auf nur fünf Stunden täglich begrenzt.
Die Ministerin bleibt jedoch bei ihrer Haltung und betont, das Modell ermögliche flexiblere Personaleinsätze. Gleichzeitig versicherte sie, sie stehe im Dialog mit allen Beteiligten. Dennis Maelzer, sozialdemokratischer Sprecher, erkannte zwar ihren Einsatz an, warnte jedoch, der Weg werde "nicht einfach" werden.
Kritik kommt aus verschiedenen Lagern. Die FDP-Politikerin Yvonne Gebauer bemängelte die mangelnde Transparenz der Reform und warnte vor Qualitätsverlusten außerhalb der Hauptbetreuungszeiten. Der AfD-Abgeordnete Carlo Clemens argumentierte, eine Verschiebung der Umsetzung bis 2027 werde nur die Stagnation in den Kitas verlängern. Gebauer vermutet zudem, die Eile bei der Verabschiedung des Gesetzes könnte eine Taktik sein, um Wahlkampf-Risiken zu umgehen.
Der Protest zeigt, wie tief die Gräben in der Debatte um die KiBiz-Reform sind. Während Schäffer auf dem Kernzeitenmodell beharrt, fordern Erzieherinnen und Erzieher bessere Personalausstattung und höhere Qualität. Da keine schnelle Lösung in Sicht ist, wird die Diskussion weitergehen – während die Landesregierung die Pläne vorantreibt.