Hausunterricht in Brasilien: Eltern wegen Heimschulung ihrer Töchter verurteilt
Tim SimonHausunterricht in Brasilien: Eltern wegen Heimschulung ihrer Töchter verurteilt
Ein brasilianisches Ehepaar, Audato und Ieda Denardi, wurde strafrechtlich verurteilt, weil sie ihre Töchter zu Hause unterrichteten. Dies ist der erste Fall in Brasilien, in dem Hausunterricht zu einer Verurteilung geführt hat. Die Eltern hatten 2020 mit dem Hausunterricht begonnen, nachdem sie mit dem öffentlichen Bildungssystem unzufrieden waren. Die Denardis betonen, dass ihre Töchter starke schulische Fortschritte gemacht haben und die Möglichkeit besteht, Glauben und persönliche Werte in den Unterricht zu integrieren. Zudem sind die Mädchen begabte Pianistinnen und sprechen mehrere Sprachen.
Ein Staatsanwalt hatte zunächst Freispruch empfohlen, nachdem er die soziale und akademische Entwicklung der Mädchen überprüft hatte. Das Gericht sah dies jedoch anders und verurteilte das Ehepaar zu 50 Tagen Haft. Begründet wurde dies damit, dass die Bildung der Töchter unzureichend sei, da ihnen spezifische Programme zu Geschlechter- und Sexualerziehung, Toleranz sowie Vielfalt vorenthalten worden seien. Der Richter verwies zudem auf kulturelle Defizite und führte an, die Mädchen hörten weder Trap noch Sertanejo-Musik. Ieda Denardi bezeichnete das Urteil als diktatorisch und erklärte, sie könne einen Staat, der ihre Entscheidung über die Erziehung ihrer Töchter kriminalisiere, nicht akzeptieren. Mit dieser Verurteilung setzt Brasilien ein Präzedenzfall für die rechtliche Bewertung von Hausunterricht.
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