15 May 2026, 14:41

Grüne fordern Machtverzicht von Männern – doch die Debatte spaltet die Gesellschaft

Three women in 19th-century dresses and hats stand beside a seated woman, with a book titled "Journal des Demoiselles" (Paris, 1875) visible.

Grüne fordern Machtverzicht von Männern – doch die Debatte spaltet die Gesellschaft

Die Debatte um Männlichkeit und politische Verantwortung gewinnt in der deutschen Politik an Fahrt. Seit 2010 fordern grüne Politiker wie Sven Lehmann in einem vielbeachteten Manifest Männer auf, Macht abzugeben – doch die Diskussionen darüber sind heute kontroverser denn je. Aktuell steht Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung, die zeigt, wie tief die Gräben zwischen traditionellen Rollenbildern und modernen Gleichstellungskonzepten noch sind. Vor über einem Jahrzehnt veröffentlichten 21 grüne Politiker, darunter der heutige queere Politiker Sven Lehmann, das Manifest ‘Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.’ Die Forderung nach einem aktiven Rückzug männlicher Privilegien prägt seitdem innerparteiliche und gesellschaftliche Debatten. Banaszak hat dieses Thema nun erneut aufgegriffen und zur zentralen Säule seiner politischen Arbeit gemacht. Er ruft Männer dazu auf, ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen und sich gegen schädliche Männlichkeitsklischees zu stellen. Doch nicht alle reagieren positiv: Beim Bundesfrauenrat stößt seine sogenannte ‘Männerpolitik’ auf Skepsis, da einige Frauen bezweifeln, ob sein Ansatz strukturelle Ungleichheiten tatsächlich löst oder nur oberflächlich bleibt.

Die politische Spaltung unter jungen Wählern unterstreicht die Dringlichkeit der Debatte. Während sich junge Frauen mehrheitlich linksliberalen Parteien zuwenden, stimmen junge Männer vermehrt für die AfD. Lehmann beobachtet zwar ein gewachsenes Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit in Teilen der Gesellschaft, doch viele Männer wehrten sich weiterhin gegen Veränderungen – besonders dort, wo rechtsextreme Botschaften auf fruchtbaren Boden fallen. AfD-Politiker wie Maximilian Krah nutzen diese Stimmung gezielt aus und raten frustrierten Männern mit Dating-Problemen schlicht, sich ‘auf die richtige Seite’ zu schlagen.

Banaszaks Versuch, junge Männer für progressive Geschlechterrollen zu sensibilisieren, polarisiert. Einige unterstützen seinen Ansatz als überfälligen Schritt, andere lehnen ihn als bevormundend ab. Dabei zeigt das Beispiel des ehemaligen Fußballtorwarts Tim Wiese, dass männliche Rollenbilder durchbrochen werden können, ohne dass dies automatisch zu gesellschaftlicher Ächtung führt: Wiese trug während seiner aktiven Zeit ohne negative Konsequenzen pinkfarbene Kleidung auf dem Platz. Dennoch bleibt die Frage, warum solche Signale bei vielen Männern nicht ankommen – und warum rechtspopulistische Narrative für eine entfremdete Zielgruppe attraktiver wirken als emanzipatorische Angebote. Die aktuelle Diskussion um Banaszaks ‘Männerpolitik’ offenbart, wie schwer sich Teile der Gesellschaft mit dem Wandel traditioneller Rollen tun. Während die Grünen auf Dialog und Selbstreflexion setzen, profitieren rechtsextreme Kräfte von der Verunsicherung vieler junger Männer. Ob die Forderung nach Machtabgabe und Privilegienkritik langfristig Wirkung zeigt oder an der Realität scheitert, wird sich nicht zuletzt an der nächsten Wahlbeteiligung junger Männer ablesen lassen.

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