Experten fordern: Natürliche Ökosysteme als kritische Infrastruktur einstufen
Marie SchulzExperten fordern: Natürliche Ökosysteme als kritische Infrastruktur einstufen
Ein Expertengremium, das die deutsche Bundesregierung berät, fordert die Einstufung natürlicher Infrastruktur als kritische Infrastruktur. Der Wissenschaftliche Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) veröffentlichte am Freitag einen Bericht, in dem er einen besseren Schutz von Ökosystemen wie Seen, Wäldern und Mooren anmahnt.
Bisher umfasst kritische Infrastruktur in Deutschland vor allem Straßen, Schienennetze und Energienetze. Der WBGU argumentiert, dass Ökosysteme essenzielle Puffer gegen Hitzewellen, Pandemien und Extremereignisse bieten und damit für den Zivilschutz unverzichtbar sind.
Der Bericht empfiehlt, natürliche Lebensräume bundesweit zu erfassen und Frühwarnsysteme einzurichten, um die Degradation von Ökosystemen zu überwachen. Zudem schlägt er vor, Umweltrisikobewusstsein in die militärische Ausbildung zu integrieren und den Schutz natürlicher Infrastruktur im Nationalen Sicherheitsrat vorrangig zu behandeln.
Zur Finanzierung dieser Maßnahmen regt der Rat an, öffentliche und private Mittel zu mobilisieren. Unternehmen erkennen zunehmend Klimarisiken und investieren freiwillig in Schutzmaßnahmen. Darüber hinaus rät der Bericht zu einem globalen Umstieg auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch zur Reduzierung von Emissionen sowie zur Verbesserung von Gesundheit und Souveränität.
Das Gremium fordert zudem, die Entwicklungspolitik so auszurichten, dass sie den Ökosystemschutz stärkt – vor allem durch lokale Akteure. Als erfolgreiches Vorbild wird die Coral Triangle Initiative genannt. Der Bericht warnt, dass Kürzungen bei Klimaprojekten lokale Bemühungen zum Erhalt der Biodiversität gefährden und letztlich die globale Sicherheit beeinträchtigen würden.
Die Empfehlungen des WBGU zielen darauf ab, Ökosysteme als lebenswichtige Infrastruktur anzuerkennen. Der Schutz natürlicher Räume würde die zivile Verteidigung stärken und die langfristige Sicherheit sichern. Die Vorschläge unterstreichen zudem die Notwendigkeit abgestimmter Finanzierungsmodelle und politischer Reformen, um diese entscheidenden Ressourcen zu bewahren.
