"Deutschland verrecke": Warum drei linke Buchhandlungen den Buchhandelspreis verlieren
Marie Schulz"Deutschland, verrecke" - Bremer Buchhandlung in der Kritik - "Deutschland verrecke": Warum drei linke Buchhandlungen den Buchhandelspreis verlieren
Drei linke Buchhandlungen, darunter der Bremer Goldene Laden, wurden vom Deutschen Buchhandelspreis ausgeschlossen. Die Entscheidung folgte auf Kritik an einem Spruch, der an der Fassade des Ladens prangt. Kulturminister Wolfram Weimer verteidigte den Schritt mit der Begründung, der Preis könne nicht an "Staatsfeinde" vergeben werden.
Auslöser der Debatte war die Fassadengestaltung des Goldenen Ladens, auf der der Satz "Deutschland verrecke bitte" zu lesen ist – ein wörtliches Zitat der Punkband Slime aus den 1980er-Jahren, wie die Anwältin der Buchhandlung, Lea Voigt, bestätigte. Sie verwies zudem auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1972, das provokativen Werken wie Heinrich Heines Gedicht "Die schlesischen Weber" künstlerischen und kulturellen Wert zusprach.
Die Fassade ist Teil eines Kunstprojekts, das Zitate aus Literatur, Musik und Film vereint. Dennoch strich Weimer die Buchhandlungen von der Shortlist und berief sich dabei auf "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse". Seine Entscheidung löste Empörung aus: Es gab Forderungen nach seinem Rücktritt sowie nach der Absage der Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse.
Der Ausschluss der Buchhandlungen hat die Vergabe des Preises vorerst gestoppt. Die juristische Auseinandersetzung um Meinungsfreiheit und künstlerische Ausdrucksformen bleibt ungelöst. Der Fall zeigt, wie sehr in Deutschland kulturelle Anerkennung und politische Bewertung miteinander kollidieren.