Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Vertragsverletzungsverfahren
Marie SchulzDeutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Vertragsverletzungsverfahren
Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und verstößt damit gegen europäisches Recht
Deutschland hat diese Woche die EU-Frist zur Einführung von Lohntransparenzregeln verpasst und verstößt damit gegen geltendes Europarecht. Eigentlich hätte das Land die Vorgaben bis zum 7. Juni 2026 umsetzen müssen, doch eine Umsetzung steht weiterhin aus. Die Verzögerung könnte nun rechtliche Schritte seitens Brüssels nach sich ziehen.
Ziel der EU-Lohntransparenzrichtlinie ist es, die Gehaltsungleichheit zwischen Männern und Frauen zu bekämpfen. Demnach müssen Arbeitgeber künftig in Stellenausschreibungen die Einstiegsgehälter offenlegen und dürfen Bewerber nicht mehr nach ihren vorherigen Einkünften fragen. Beschäftigte erhalten zudem das Recht, Informationen über die durchschnittlichen Verdienste in vergleichbaren Positionen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht – anzufordern.
Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern werden regelmäßig über ihre Gender-Pay-Gap berichten müssen. Die ersten deutschen Berichte und Offenlegungspflichten werden nun erst für Juni 2028 erwartet – zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Aktuell verhandeln Beamte in Berlin mit EU-Partnern über Anpassungen des Zeitplans sowie der konkreten Ausgestaltung der Reformen.
Die Dringlichkeit des Themas bleibt unbestritten: Laut Eurostat verdienten deutsche Frauen 2024 15,6 Prozent weniger pro Stunde als Männer – deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von 11,1 Prozent. Die Europäische Kommission hat bereits angedroht, bei weiterem Zögern ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten.
Durch die verpasste Frist riskiert Deutschland nun rechtliche Konsequenzen. Würden die Regeln durchgesetzt, müssten Unternehmen Gehaltsdaten veröffentlichen und dürften in Bewerbungsgesprächen keine Fragen mehr zur Gehaltshistorie stellen. Die Reformen sollen Lohnungleichheiten verringern, doch ihre Umsetzung in Deutschland verzögert sich weiter.






