Chemieindustrie im Umbruch: Covestro-Übernahme, Werksschließungen und ein neuer Global Player
Tim SimonChemieindustrie im Umbruch: Covestro-Übernahme, Werksschließungen und ein neuer Global Player
Deutschlands Chemieindustrie steht vor tiefgreifenden Umbrüchen, da globale Verschiebungen und wirtschaftliche Belastungen den Sektor umgestalten. Die Übernahme von Covestro durch ADNOC nähert sich dem Abschluss, während Dow Chemikalienwerke in Ostdeutschland schließen will. Gleichzeitig entsteht mit der Fusion von Borealis, Borouge und Nova Chemicals zur Borouge Group International (BGI) ein neuer Branchenriese.
Die Übernahme von Covestro durch ADNOC befindet sich in der finalen Phase; der Deal soll bis Ende 2025 abgeschlossen werden. Der Marktwert des Unternehmens ist seit Beginn der Übernahme von rund 14,7 Milliarden Euro auf etwa 12,4 Milliarden Euro im März 2026 gesunken. Dieser Rückgang folgt auf einen deutlichen Gewinnrückgang 2025: Das EBITDA brach um 31 Prozent auf 740 Millionen Euro ein. Der Aktienkurs von Covestro liegt derzeit bei 59,54 Euro – nur knapp über der angebotenen Barabfindung von 59,46 Euro pro Aktie. Der neue Mehrheitseigner XRG, der mehr als 95 Prozent der Anteile hält, treibt nun den Börsenrückzug und den Squeeze-out der verbleibenden Aktionäre voran.
Doch nicht nur Covestro steht unter Druck: Die gesamte Chemieindustrie kämpft mit historischen Herausforderungen. BASF-Chef Markus Kamieth bezeichnete die aktuelle Lage als die "schwierigste seit 25 Jahren". Dow hat Werksschließungen in Ostdeutschland angekündigt, und das Ifo-Institut prognostiziert für 2026 weitere Produktionskürzungen und Stellenabbau. Als Reaktion haben die IG BCE-Gewerkschaft und der Arbeitgeberverband BAVC einen Tarifkompromiss ausgehandelt: Die Beschäftigten erhalten 2027 eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent, ab Januar 2028 kommen weitere 2,4 Prozent hinzu.
Trotz der Krise formiert sich ein neuer Global Player: ADNOC und OMV fusionieren Borealis, Borouge und Nova Chemicals zur Borouge Group International (BGI). Der Deal, der im März 2026 abgeschlossen werden soll, schafft den viertgrößten Kunststoffproduzenten der Welt. An der Spitze steht Roger Kearns als CEO, während Stefan Doboczky die Position des Chief Commercial Officers (CCO) übernimmt.
Die Umstrukturierung der Chemieindustrie schreitet voran – mit dem Börsenrückzug von Covestro, Werksschließungen und dem Aufstieg von BGI als prägende Entwicklungen. Die Zukunft des Sektors bleibt unsicher, da Unternehmen sich an sinkende Nachfrage und finanzielle Engpässe anpassen müssen. Die Beschäftigten können zwar mit moderaten Lohnerhöhungen rechnen, doch weitere Stellenstreichungen im kommenden Jahr gelten als wahrscheinlich.






