Cem Özdemir vor historischem Amt: Erster Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln
Lukas BraunSein Leben in Bildern: Das ist Cem Özdemir - Cem Özdemir vor historischem Amt: Erster Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln
Cem Özdemir steht kurz davor, Geschichte zu schreiben: Er könnte Deutschlands erster Ministerpräsident türkischer Herkunft werden. Der erfahrene grüne Politiker, ein gebürtiger Schwabe, hat sich in drei Jahrzehnten öffentlichen Lebens stetig nach oben gearbeitet. Sein jüngster Erfolg folgt auf einen knappen Sieg bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Özdemir zog 1994 erstmals in den Bundestag ein und wurde damit der erste Abgeordnete mit türkischen Wurzeln auf Bundesebene. Bekanntheit erlangte er als einer der beiden Bundesvorsitzenden der Grünen, ein Amt, das er ein Jahrzehnt lang innehatte, bevor er 2002 wegen Kontroversen um Prämienmeilen und Privatkredite zurücktrat. Nach seiner Zeit als Abgeordneter im Europäischen Parlament von 2004 bis 2009 kehrte er 2013 in den Bundestag zurück.
2017 führte er die Grünen als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf. Sein Profil schärfte sich weiter, als er 2021 in das Kabinett von Olaf Scholz eintrat – zunächst als Landwirtschaftsminister, später übernahm er nach dem Scheitern der Koalition das Bildungsressort.
Bei der jüngsten Wahl in Baden-Württemberg setzten sich die Grünen mit einem Vorsprung von nur einem halben Prozentpunkt gegen die CDU durch. Beide Parteien verfügen nun über die gleiche Anzahl an Sitzen im Landtag. Özdemirs Wahlkampf inszenierte ihn als natürlichen Nachfolger des langjährigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann; gemeinsame Auftritte unterstrichen seinen Führungsanspruch. Sein Name prägte die Plakate der Partei und festigte seine Rolle als Aushängeschild der Grünen.
Das Wahlergebnis krönt Özdemirs langen politischen Weg. Während die Grünen nun eine Regierung bilden, würde seine Ernennung zum Ministerpräsidenten einen neuen Meilenstein in der deutschen Politik setzen. Die knappe Mehrheit bedeutet zudem, dass Koalitionsgespräche mit der CDU die nächste Legislaturperiode des Landes prägen könnten.






