23 April 2026, 14:27

«Blutbuch» feiert rauschende Premiere als mutige Bühnenadaption in Berlin

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Phasen des Lebens einer Frau von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, begleitet von kräftigem Text.

«Blutbuch» feiert rauschende Premiere als mutige Bühnenadaption in Berlin

Eine mutige Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman feiert Premiere vor ausverkauftem Haus im Berliner Vaganten Bühne

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Die Inszenierung bringt die Geschichte von Kim auf die Bühne – einer genderfluiden Protagonist:in, die sich zwischen Identität, Erinnerung und Selbstakzeptanz bewegt. Mit roher Energie inszeniert, verbindet das Stück eindrucksvolle Bilder mit einer Erzählung, die tief in persönlichen und generationenübergreifenden Konflikten verwurzelt ist.

Die Vorstellung beginnt mit einem pulsierenden Soundtrack, während Kim in zartem weißem Spitzenstoff über einen improvisierten Laufsteg schreitet. Über der Bühne prangt in roter gotischer Schrift der Titel Blutbuch, die Buchstaben flackern gegen einen weißen Fransenvorhang. Von der Decke hängen zerschlissene beige Strumpfhosen, gefüllt mit Sand und schweren Kugeln, die wie verhedderte Erinnerungen hin und her schwingen.

Kims Geschichte entfaltet sich durch drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger –, die jeweils unterschiedliche Facetten der Hauptfigur verkörpern. Ihr Spiel zeichnet Kims emotionale Reise nach, ausgelöst durch die Demenz der Großmutter und das schrittweise Zerfallen der Familiengeschichte. Der einzige Ort, an dem Kim sich wirklich sicher fühlt, ist unter einer Blutbuche, die einst der Urgroßvater gepflanzt hat.

Im Kern erkundet das Stück Kims Kampf, einen Körper neu zu definieren, der sich binären Zuschreibungen entzieht. Scham, so betont Kim, müsse in etwas anderes verwandelt werden: in eine kompromisslose, stolze Umarmung von Fluidität. Der zugrundeliegende Roman sorgte 2022 für Furore und gewann sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis.

Die Premiere markiert einen fulminanten Auftakt für die Bühnenfassung von Blutbuch, die theatralische Kühnheit mit tiefer emotionaler Wucht verbindet. Mit ihrem ausverkauften Debüt zeigt die Produktion, wie groß das Interesse an Geschichten ist, die traditionelle Erzählungen von Geschlecht und Identität herausfordern. Die Adaption des Vaganten Bühne sorgt dafür, dass Kims Stimme – zugleich zärtlich und trotzig – ein noch breiteres Publikum erreicht.

Quelle