Bahnstrecke Hamburg–Berlin: Nach monatelanger Sperrung folgen neue Pannen und Kostenexplosion
Lukas BraunBahnstrecke Hamburg–Berlin: Nach monatelanger Sperrung folgen neue Pannen und Kostenexplosion
Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist nach monatelanger Sperrung wieder in Betrieb
Nach einer fast einjährigen Vollsperrung ist die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin Mitte Juni wiedereröffnet worden – mit sechs Wochen Verspätung gegenüber dem ursprünglichen Plan. Doch seit der Wiederaufnahme des Betriebs häufen sich die Probleme.
Die Strecke war im August 2022 für eine grundlegende Sanierung gesperrt worden, deren Kosten zunächst auf 2,2 Milliarden Euro veranschlagt worden waren. Durch anhaltenden Frost im Januar und Februar verschob sich die geplante Wiedereröffnung von Anfang Mai auf Mitte Juni. Die Gesamtkosten stiegen schließlich auf 2,7 Milliarden Euro, wobei der einkalkulierte Puffer von 300 Millionen Euro vollständig aufgebraucht wurde.
Während der Sperrung wurden Fernzüge über Stendal und Uelzen umgeleitet, was die Reisezeiten deutlich verlängerte. Regionalverkehrspassagiere waren monatelang auf Schienenersatzverkehr angewiesen, und auch der Güterverkehr war über den gesamten Zeitraum beeinträchtigt.
Doch selbst nach der Wiedereröffnung traten sofort Schwierigkeiten auf: Aufzüge fielen aus, Züge fielen aus oder verspäteten sich, und das neue europäische Zugsicherungssystem (ETCS) konnte nicht wie geplant installiert werden. Eine weitere längere Vollsperrung wird daher in Zukunft notwendig sein, um die Nachrüstung abzuschließen.
Die Strategie der großflächigen „Generalsanierungen“ steht zunehmend in der Kritik. Gegner verweisen auf die langen Sperrzeiten, die explodierenden Kosten und die anhaltenden Betriebsstörungen als zentrale Problemfelder.
Zwar ist die Verbindung Hamburg–Berlin nun wieder befahrbar, doch ungelöste technische und logistische Herausforderungen belasten den Betrieb. Die Kostenüberschreitung und die verzögerte Fertigstellung werfen Fragen für künftige Infrastrukturprojekte auf – und eine weitere Sperrung für die ETCS-Nachrüstung ist unvermeidbar.
