Antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte erreichen neuen Höhepunkt in Deutschland
Clara FrankeAntifeministische Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte erreichen neuen Höhepunkt in Deutschland
Im Rahmen der UN-Kampagne Orange the World aufgestellte orangefarbene Bänke, die auf Gewalt gegen Frauen und geschlechtsspezifische Übergriffe aufmerksam machen sollten, wurden in mehreren deutschen Städten beschädigt oder zerstört. Gleichzeitig nehmen antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte zu – eine Entwicklung, die Fachleute zunehmend alarmiert. In Baden-Württemberg erhielt eine Gleichstellungsbeauftragte Todesdrohungen, während rechtsextreme Aktivisten vor ihrer Haustür erschienen. Die Meldestelle Antifeminismus dokumentierte 2024 bereits 558 Vorfälle, was einem Durchschnitt von zehn Angriffen pro Woche entspricht. Auch die Bänke der UN-Kampagne wurden gezielt angegriffen: In Annweiler veränderten Unbekannte den auf einer Bank angebrachten Slogan, in Osnabrück beschmierte jemand eine der Sitzgelegenheiten mit Graffiti, und in Wiesbaden verschwand eine orangefarbene Bank komplett.
Beim diesjährigen Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Lübeck trafen sich rund 70 Gleichstellungsbeauftragte unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“, um über die wachsende Bedrohungslage zu diskutieren. Die Teilnehmerinnen berichteten von einer deutlichen Eskalation: 63 Prozent der Beauftragten waren bereits von antifeministischen Angriffen betroffen, wobei 40 Prozent in den letzten zwei Jahren sogar mehrfach bedroht wurden. Die Vorfälle reichen von Budgetkürzungen und verbalen Beleidigungen bis hin zu konkreten Drohungen gegen die Personen selbst.
Der Kongress in Lübeck thematisierte zudem die zunehmende Herausforderung durch Antifeminismus in ganz Deutschland. Die Gleichstellungsbeauftragten betonten, dass die Angriffe nicht nur individuell, sondern auch strukturell wirken – etwa durch gezielte Kampagnen gegen Gleichstellungsarbeit in Behörden und Institutionen. Die wiederholten Attacken auf Symbole wie die orangefarbenen Bänke sowie die direkte Bedrohung von Gleichstellungsbeauftragten zeigen, wie stark antifeministische Strömungen in Deutschland an Einfluss gewinnen. Die Zahlen der Meldestelle Antifeminismus und die Berichte der Betroffenen unterstreichen, dass es sich um ein bundesweites Problem handelt, das sowohl zivilgesellschaftliche als auch politische Gegenmaßnahmen erfordert.






