Wie Rottenburgs Saubloderen den Karneval mit urtümlichem Krach beherrschen
Tim SimonStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Wie Rottenburgs Saubloderen den Karneval mit urtümlichem Krach beherrschen
Jedes Jahr zur Karnevalszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, kehrt eine laute Tradition zurück: die Saubloderen. Diese Lärmmacher bestehen aus mit Luft gefüllten Schweineblasen, die an getrocknete Stiergenitalien oder Kuhschwänze gebunden werden. Der Brauch, tief in der lokalen Folklore verwurzelt, verwandelt die Straßen in ein rauschendes Spektakel, wenn Feiernde die Blasen schwingen und mit Wucht auf den Boden schlagen.
Bevor der Karneval beginnt, liefern Metzger die Blasen an die örtlichen Zünfte. Jede wird sorgfältig vorbereitet – entleert, in Lake eingeweicht und gereinigt. Prüfer untersuchen sie anschließend auf Mängel und sortieren Blasen mit Rissen oder schwachen Stellen aus. Nur die robustesten Exemplare werden ausgewählt.
Sobald sie fertig sind, werden die Blasen an einen Hagenschwanz – Stiergenitalien oder einen Kuhschwanz – gebunden, wodurch die Saublodere entsteht. Traditionell blies man sie mit dem Mund auf, doch heute nutzen die meisten Zünfte aus Effizienzgründen Druckluft. Werden sie kräftig geschwungen und auf den Boden geschlagen, erzeugen sie einen scharfen, explosiven Knall, der durch die Menschenmenge hallt.
Die Schweineblase selbst trägt eine symbolische Bedeutung: Sie steht für Eitelkeit und Maßlosigkeit – zentrale Themen des Karnevals. Jede Saublodere hält etwa zwei bis drei Umzüge durch, bevor sie verschlissen ist. Einige Zünfte steigen mittlerweile auf Rinderblasen um, die größer, widerstandsfähiger und langlebiger sind als ihre Pendants vom Schwein.
Obwohl nicht genau verzeichnet ist, wie viele Zünfte die Saubloderen noch verwenden, lebt die Tradition in Rottenburg und anderen Karnevalshochburgen Baden-Württembergs weiter.
Der Brauch der Saubloderen bleibt ein prägendes Merkmal der Karnevalsfeiern in der Region. Die Zünfte verlassen sich jedes Jahr auf die Metzgereien für frischen Nachschub und sorgen so dafür, dass die lauten, aufschreckenden Knalle Teil des Festes bleiben. Während einige Gruppen aus praktischen Gründen auf Rinderblasen umsteigen, passt sich der Brauch an – ohne seinen unverwechselbaren Klang und seine symbolische Rolle zu verlieren.