Wie die "Männlichkeitsszene" Frauenfeindlichkeit im Netz zur neuen Normalität macht
Marie SchulzWie die "Männlichkeitsszene" Frauenfeindlichkeit im Netz zur neuen Normalität macht
Feindlichkeit gegen Frauen breitet sich rasant in sozialen Medien, Kommentarspalten und Online-Communities aus. Ein wachsendes Netzwerk von Influencern, bekannt als die "Männlichkeitsszene" (engl. "manosphere"), prägt die politischen Ansichten junger Männer, indem es extreme Männlichkeitsbilder und Frauenfeindlichkeit propagiert. Diese Räume entwickeln sich zunehmend zu Brutstätten toxischer Einstellungen – und treiben Anhänger oft in Richtung rechtsextremer Figuren in den USA und Deutschland.
Die "Männlichkeitsszene" gedeiht, weil sie jungen Männern ein Zugehörigkeitsgefühl bietet, das die traditionelle Politik nicht vermitteln kann. Mit aggressiver Rhetorik und übersteigerten Männlichkeitsidealen verzerren Influencer in diesen Kreisen die Wahrnehmung von Geschlechterrollen. Einige gehen so weit, Frauen das Wahlrecht absprechen zu wollen – ein Rückschritt um Jahrzehnte.
Männer in Machtpositionen – ob online oder im echten Leben – entgehen häufig der Verantwortung für respektloses Verhalten. Herablassung, sexualisierte Kommentare und offene Feindseligkeit gegenüber Frauen bleiben an der Tagesordnung, oft ohne Konsequenzen. Die #MeToo-Bewegung, die diese Normen einst herausforderte, sieht sich nun mit einer Gegenbewegung konfrontiert, während ungebremster Sexismus wieder erstarkt.
Besonders gefährlich sind jene, die ihren Einfluss gezielt nutzen, um Gift zu verbreiten. Zwar betrifft dieses Verhalten nicht alle Männer, doch es ist so weit verbreitet, dass es politische Trends prägt. In den USA stärkt diese Dynamik Figuren wie Donald Trump, in Deutschland befeuert sie den Aufstieg der rechtsextremen AfD.
Die Normalisierung von Frauenfeindlichkeit im Netz macht hart erkämpfte Fortschritte bei der Gleichberechtigung zunichte. Ohne Widerstand werden diese Haltungen weiter Politik und Kultur prägen. Frauenrechtlerinnen stehen nun vor einem steilen Kampf gegen eine Renaissance unverschämten Sexismus.






