17 January 2026, 13:57

Warum viele Bayern nur die erste Zeile ihrer Landeshymne kennen

Ein gerahmtes Deutschland-Karte mit der Aufschrift "So Steht der Krieg an der Ost-U" darauf.

Warum viele Bayern nur die erste Zeile ihrer Landeshymne kennen

Bayern haben oft Schwierigkeiten, die Worte ihrer eigenen Landeshymne zu erinnern – viele kennen nur die erste Zeile. Das Problem ist nicht neu: Selbst der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber vergaß einst bei einem öffentlichen Auftritt den Text. Jetzt stellt sich die Frage, ob aktuelle Politiker wie Markus Söder vor ähnlichen Herausforderungen mit der Europahymne stehen könnten.

Die Europahymne selbst ist eine instrumentale Version von Beethovens „An die Freude“ aus seiner Neunten Sinfonie. Sie enthält keine Texte, sondern steht symbolisch für die Ideale von Freiheit, Frieden und Einheit. Das ursprüngliche Gedicht jedoch verweist auf das Elysium und einen Cherub – Themen, die weit entfernt sind von modernen politischen Reden.

Stoiber, der Bayern von 2003 bis 2007 regierte, förderte einst die Bekanntheit der bayerischen Hymne, indem er die Zeile „In Bayern, da steht a Haus“ populär machte. Seine Bemühungen führten 2003 sogar zu einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, als 12.723 Menschen in München den Vers gemeinsam sangen. Doch trotz seines Engagements blieb er bei einer offiziellen Veranstaltung berühmt-berüchtigt auf dem Text sitzen. Angesichts der weitverbreiteten Vergesslichkeit griff Rudolf Hierl, CSU-Mitglied und ehemaliger Stadtrat, zur Tat: Er verteilte über eine halbe Million Karten mit dem gedruckten Text der bayerischen Hymne. Die Kampagne sollte das Wissen der Bevölkerung verbessern – doch bis heute erkennen viele nur die erste Zeile. Nun rückt Söder, Stoibers Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten bis 2023, in den Fokus der Spekulationen. Vor dem Hintergrund der hymnenbezogenen Pannen fragen sich manche, ob er die Europahymne – falls sie überhaupt einen Text hätte – fehlerfrei vortragen könnte.

Die Worte der bayerischen Hymne bleiben trotz prominenter Werbekampagnen und Massen-Chorgesangs wenig präsent. Die Europahymne hingegen, obwohl textlos, verkörpert weiterhin die gemeinsamen Werte des Kontinents. Für Politiker ist das Erinnern – oder Vergessen – von Hymnen längst zu einem wiederkehrenden öffentlichen Gesprächsthema geworden.