Warum selbst Top-Führungskräfte an unsichtbaren Verhaltensdefiziten scheitern
Clara FrankeWarum selbst Top-Führungskräfte an unsichtbaren Verhaltensdefiziten scheitern
Ein aktueller Fall des Düsseldorfer Personalberaters Norbert Graschi zeigt, wie verborgene Verhaltensdefizite selbst vielversprechende Führungskräfte aus der Bahn werfen können. Trotz exzellenter Qualifikationen und einwandfreier Referenzen sah sich ein Hochpotenzial-Kandidat plötzlich mit schwindenden Karrierechancen konfrontiert – Grund waren unerkannte zwischenmenschliche Schwächen. Der Vorfall unterstreicht, warum fachliche Kompetenz allein heute keine Führungsposition mehr garantiert.
Der Betroffene verfügte über einen beeindruckenden Lebenslauf und herausragende Empfehlungsschreiben. Doch im Rahmen der Hintergrundprüfungen kamen Bedenken hinsichtlich seines Umgangstons im täglichen Austausch mit Mitarbeitenden auf. Solche Prüfungen, die Rückmeldungen aus verschiedenen Hierarchieebenen einbeziehen, sollen genau solche blinden Flecken in der Selbstwahrnehmung aufdecken – Defizite, die über Erfolg oder Scheitern einer Bewerbung entscheiden können.
Letztlich schaltete sich der Betriebsrat ein, nachdem er problematische Kommunikationsmuster erkannt hatte. Zwar waren die fachliche Expertise und das strategische Denken der Führungskraft makellos, doch der Umgang mit Kritik und die Art der täglichen Interaktionen warfen Fragen auf. Solche Verhaltensauffälligkeiten, oft unterschätzt, können für ehrgeizige Führungskräfte zu schweren Karrierefallen werden.
Graschis Fall veranschaulicht einen übergeordneten Trend: Bei Bewerbungen um Vorstandsposten scheitern Kandidaten zunehmend an emotionalen oder zwischenmenschlichen Defiziten – selbst wenn sie fachlich keine Schwächen aufweisen. Hintergrundchecks legen heute besonderen Wert auf Führungsstil, Belastbarkeit und die Fähigkeit, schwierige Situationen zu meistern. Zwar informieren Bewerber ihre Referenzgeber meist im Voraus und holen deren Einverständnis ein, doch selbst diese Vorbereitung kann tief verwurzelte Verhaltensprobleme nicht immer verbergen.
Der Fall erinnert daran, dass ein Ruf durch kleine, wiederkehrende Interaktionen geprägt wird: wie mit Kritik umgegangen wird, welcher Ton in Gesprächen angeschlagen wird und wie man sich im Alltag verhält. Für Führungskräfte sind regelmäßige Selbstreflexion und das aktive Einholen von konstruktivem Feedback mittlerweile unverzichtbar, um Karriereknicks zu vermeiden. Fachliche Brillanz allein reicht nicht mehr aus – entscheidend ist eine respektvolle, anpassungsfähige Führungsweise.






