Warum der Rechtspopulismus in Deutschland auch ohne AfD-Erfolge bleibt
Soziologe Aladin El-Mafaalani warnt: Rechtspopulismus in Deutschland bleibt auch ohne Erfolge der AfD bestehen
In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert der Soziologe Aladin El-Mafaalani, warum immer mehr Wähler das Vertrauen in Demokratie, Wissenschaft und Medien verlieren – und damit den Aufstieg populistischer Bewegungen wie der Alternative für Deutschland (AfD) befeuern. Selbst wenn die AfD ihre Versprechen nicht einhält, werde die Unterstützung für rechtsextreme Positionen nicht einfach verschwinden, so El-Mafaalani.
Die AfD startete 2013 als rechtliberale, EU-skeptische Partei in Hessen. Bei der Bundestagswahl 2013 erreichte sie 4,7 Prozent, bei der Europawahl 2014 sieben Prozent. Doch ab 2015 radikalisierte sie sich zusehends in Richtung rechtspopulistischer und extremistischer Positionen – was zu inneren Zerwürfnissen führte, darunter der Austritt des liberal-konservativen Flügels, der die kurzlebige "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (Alfa) gründete.
Bis 2025 scheiterten Versuche, die AfD als "Nazi-Verein" zu diskreditieren. Unter den beiden Vorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel zog die Partei in den Bundestag ein. El-Mafaalani argumentiert, dass digitale Medien es misstrauischen Menschen heute ermöglichen, sich zu vernetzen und geschlossene Gruppen zu bilden, die etablierte Institutionen ablehnen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" vertrauen einzig sich selbst – und Parteien wie der AfD.
Seine Forschung erklärt auch den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. Statt deren Anhänger pauschal abzutun, plädiert El-Mafaalani dafür, gesellschaftliche Reaktionen auf ihren Einfluss neu zu denken.
Die Ergebnisse des Soziologen zeigen ein hartnäckiges Problem auf: Selbst wenn die AfD enttäuscht, werden ihre Kernwähler kaum zu den demokratischen Parteien zurückkehren. Das Buch bietet keine schnellen Lösungen, fordert aber langfristige Strategien, um das Vertrauen in die Demokratie zurückzugewinnen. Ohne sie, warnt El-Mafaalani, werde Misstrauen weiter die politischen Landschaften prägen.






