Söder fordert längere Arbeitszeiten und Abschaffung der Rente mit 63 – SPD widerspricht scharf
Clara FrankeSPD-Sozialexpertin: Söders Aussagen zu Mehrarbeit 'abwegig' - Söder fordert längere Arbeitszeiten und Abschaffung der Rente mit 63 – SPD widerspricht scharf
In Deutschland ist eine neue Debatte über Arbeitszeiten und Rentenregelungen entbrannt. Markus Söder, Vorsitzender der Christlich-Sozialen Union (CSU), schlug vor, die wöchentliche Arbeitszeit um eine Stunde zu erhöhen, um die Wirtschaft zu stärken. Sein Plan sieht zudem die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 vor – ein Vorhaben, das bei Oppositionspolitikern auf scharfe Kritik stößt.
Die SPD-Sozialexpertin Annika Klose wies den Vorschlag zurück und argumentierte, Arbeitnehmer leisteten bereits genug Beiträge. Stattdessen solle der Fokus auf fairen Bedingungen für ältere Beschäftigte liegen.
Söders Idee würde bedeuten, dass Arbeitnehmer in Deutschland künftig eine Stunde mehr pro Woche arbeiten müssten. Zudem fordert er das Ende der Rente mit 63, die es langjährigen Beitragszahlern ermöglicht, ohne Abzüge früher in Rente zu gehen. Seit 2012 steigt das Mindestalter für diese Regelung schrittweise – von 63 auf 65 Jahre bis 2024. Wer 1962 geboren wurde, kann derzeit mit 64 Jahren und 8 Monaten in Rente gehen, vorausgesetzt, er hat 45 Beitragsjahre vorzuweisen.
Auch das reguläre Renteneintrittsalter ohne Abzüge erhöht sich schrittweise und wird bis 2031 bei 67 Jahren liegen. Wer etwa Ende 1959 geboren wurde, muss beispielsweise bis 66 Jahre und 2 Monate warten, um abschlagsfrei in Rente zu gehen. Klose verwies darauf, dass die aktuelle Diskussion sich auf eine Rente mit 65 und nicht mit 63 beziehe, und warnte davor, die Bedingungen für ältere Arbeitnehmer weiter zu verschärfen.
Sie betonte, dass Beschäftigte über 60 oft Schwierigkeiten hätten, im Berufsleben zu bleiben. Berufliche Weiterbildungsangebote für Menschen ab 55 würden häufig gestrichen, was ihre Optionen weiter einschränke. Klose unterstrich, dass Arbeitszeiten durch Tarifverhandlungen und nicht durch politische Vorgaben geregelt werden sollten. Zudem zeigten Arbeitnehmer bereits Flexibilität, wenn zusätzliche Anstrengungen erforderlich seien.
Der Streit spiegelt die grundsätzlichen Spannungen in der deutschen Arbeitsmarktpolitik wider. Während Söder längere Arbeitszeiten und den Wegfall einer Frühverrentungsoption vorschlägt, pocht Klose darauf, ältere Arbeitnehmer besser zu unterstützen. Angesichts der bereits steigenden Renteneintrittsalter dürfte die Debatte anhalten, während Politiker wirtschaftliche Erfordernisse gegen Arbeitnehmerrechte abwägen.