Pharmazeutische Dienstleistungen in Apotheken: Wirtschaftlich oft ein Verlustgeschäft
Marie SchulzPharmazeutische Dienstleistungen in Apotheken: Wirtschaftlich oft ein Verlustgeschäft
Pharmazeutische Dienstleistungen in deutschen Apotheken (pDL) haben sich seit ihrer Einführung im Jahr 2020 stetig ausgeweitet. Doch trotz wachsender Verbreitung bleiben viele dieser Angebote für die Apotheken unwirtschaftlich. Eine aktuelle Studie zeigt: Mehr als die Hälfte aller Apotheken macht bei zentralen Leistungen wie Bluthochdruck-Risikobewertungen Verluste – und fordert dringend Reformen.
Eine aktuelle Umfrage belegt, dass mittlerweile 78 Prozent der Apotheken mindestens eine pDL-Leistung anbieten, wobei Schulungen zur Inhalationstechnik und Medikamentenberatungen am häufigsten vertreten sind. Doch die Nachfrage bleibt schwach: 537 Millionen Euro der vorgesehenen pDL-Mittel wurden nicht abgerufen. Die Freie Apothekerschaft warnt, dass eine Umwidmung dieser ungenutzten Gelder in den allgemeinen Apothekenhaushalt die langfristige Struktur der pDL-Dienstleistungen gefährden könnte.
Apotheken sehen sich bei der Erbringung dieser Leistungen mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert: Personalmangel, hoher Verwaltungsaufwand, strenge räumliche Vorgaben und Spannungen mit anderen Gesundheitsberufen erschweren die Umsetzung. Eine im Auftrag der Freien Apothekerschaft erstellte Studie kommt zu dem Schluss, dass die aktuellen Vergütungssätze die Kosten oft nicht decken – viele pDL-Angebote sind daher wirtschaftlich nicht tragfähig. So erwirtschaftet etwa nur jede dritte Apotheke Gewinne mit Bluthochdruck-Risikobewertungen, während die Mehrheit Verluste macht.
Der Deutsche Apothekerverband drängt nun auf höhere pDL-Honorare, um die Leistungen flächendeckend zu sichern. Ohne Anpassungen riskieren die Verantwortlichen, ein Programm zu untergraben, das Apotheken fachlich kompetent umsetzen könnten – vorausgesetzt, die Kosten werden angemessen erstattet.
Die Studie offenbart eine klare Lücke zwischen dem Potenzial der pDL-Dienstleistungen und ihrer aktuellen wirtschaftlichen Realität. Werden die Vergütungen nicht auf ein tragfähiges Niveau angehoben, könnten Apotheken langfristig Schwierigkeiten haben, diese Leistungen weiter anzubieten. Die Politik steht unter Zugzwang, zu handeln, bevor das Wachstum des Programms weiter ins Stocken gerät.