Pflegeanbieter schließt Generation Z von Bewerbungen aus – und löst Debatte aus
Marie SchulzPflegeanbieter schließt Generation Z von Bewerbungen aus – und löst Debatte aus
Ein Schweizer Anbieter für häusliche Pflege hat eine Debatte ausgelöst, nachdem er eine Stellenausschreibung veröffentlicht hat, die Bewerber der Generation Z explizit ausschließt. Die Anzeige des Fit-for-Care-Dienstes von Spitex besagt klar, dass sich Angehörige der jüngeren Altersgruppe nicht bewerben brauchen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen über generationenbedingte Unterschiede in der Arbeitsmentalität und steigende Krankheitsfehlzeiten bei jungen Berufstätigen.
Die umstrittene Stellenanzeige auf jobs.ch sucht eine "Teamleitung Pflege mit Herz und Verstand – keine Generation Z". Zudem wird darauf hingewiesen, dass Bewerber mit einer "Montag/Freitag-Krankmeldungs-Mentalität" abgelehnt werden – ein Ausdruck, der häufig verwendet wird, um häufige Kurzzeiterkrankungen zu kritisieren. Auf Nachfrage der NZZ am Sonntag lehnte das Unternehmen eine Begründung ab, warum eine gesamte Altersgruppe von der Bewerbung ausgeschlossen wird.
Die Anzeige reiht sich in ein breiteres Muster generationenübergreifender Spannungen am Arbeitsplatz ein. Personalexperten verweisen auf Konflikte bei der Arbeitsmoral, wobei ältere Arbeitgeber gelegentlich Frust äußern. 2023 sorgte der Bündner Hotelier Ernst "Aschi" Wyrsch für Schlagzeilen, als er junge Menschen als "verweichlicht" bezeichnete – eine Äußerung, die damals auf Kritik stieß.
Aktuelle Daten des Bundesamts für Statistik zeigen, dass junge Berufstätige Mitte 20 inzwischen durchschnittlich fast zwei Wochen pro Jahr krankheitsbedingt fehlen. Dieser Wert ist seit 2020 deutlich angestiegen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom März 2025 fand jedoch keine Hinweise darauf, dass die Generation Z weniger leistungsbereit ist als ältere Arbeitnehmer. Als Reaktion auf die Kritik hat Fit for Care inzwischen alle Verweise auf die Generation Z und die Krankmeldungskultur von seiner Website entfernt.
Die Stellenausschreibung hat die anhaltende Diskussion über generationenbezogene Klischees bei der Personalauswahl in den Fokus gerückt. Zwar haben die Krankheitstage bei jungen Arbeitnehmern zugenommen, doch legen Forschungsergebnisse nahe, dass Vorurteile über mangelnde Arbeitsbereitschaft unbegründet sein könnten. Die Entscheidung des Unternehmens, die Website zu überarbeiten, zeigt die Sensibilität des Themas – die umstrittene Anzeige selbst bleibt jedoch unverändert.






