Ostdeutschlands Ackerland wird für Landwirte zum Luxusgut – wer profitiert wirklich?
Clara FrankeWer besitzt das Feld? Drei L"ander, drei Antworten - Ostdeutschlands Ackerland wird für Landwirte zum Luxusgut – wer profitiert wirklich?
Ackerland in Ostdeutschland wird immer unzugänglicher
In Ostdeutschland wird der Zugang zu Ackerland zunehmend schwieriger, da die Preise steigen und Investoren rechtliche Schlupflöcher ausnutzen. Aktuelle Aktiengeschäfte wie der Verkauf der Deutsche Agrar Holding an einen australischen Fonds haben Befürchtungen über ausländische Kontrolle und Gewinnabfluss geschürt. Gleichzeitig sind die Landesregierungen uneins, wie sie reagieren sollen: Einige erwägen strengere Vorschriften, andere überlassen die Regulierung den Bundesbehörden.
Der Verkauf der Deutsche Agrar Holding in Sachsen-Anhalt hat die wachsende Einflussnahme externer Investoren in der Landwirtschaft in den Fokus gerückt. Kritiker warnen, dass Aktienkäufe es nicht-landwirtschaftlichen Akteuren wie Versicherungen oder Immobilienfirmen ermöglichen, Land zu kontrollieren – und zwar ohne die übliche Aufsicht, die bei direkten Grundstücksverkäufen greift. Diese Lücke erlaubt es Investoren, Regelungen zu umgehen, die eigentlich der Konzentration von Land entgegenwirken sollen.
Das Agrarministerium von Sachsen-Anhalt spielt strukturelle Risiken durch solche Geschäfte herunter und setzt stattdessen auf einen Bodenfonds zur Unterstützung der Landwirte. Dennoch räumen Beamte ein, dass der Wettbewerb um Ackerland hart ist: Hohe Preise und Pachtkosten setzen lokale Betriebe unter Druck. Die Nachbarländer gehen unterschiedlich vor. Sachsen führt die steigenden Landkosten auf die Vergabe von Flächen der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVG) und der Zentralen Flächenmanagement- und Vermarktungsgesellschaft (ZFM) zurück – nicht auf Aktientransaktionen. Sowohl Sachsen als auch Thüringen lehnen eine Überarbeitung der Agrarstrukturgesetze ab und überlassen die Regulierung dem Bund. Thüringen hat bisher keine offizielle Position zu rechtlichen Kontrollen bei Aktienkäufen in der Landwirtschaft bezogen.
Einige Regionen prüfen schärfere Maßnahmen, etwa Meldepflichten für Aktiengeschäfte oder Begrenzungen von Beteiligungsquoten. Doch ohne einheitliche Linie bleibt die Debatte bestehen, wie sich Investitionen mit den Bedürfnissen der heimischen Landwirte in Einklang bringen lassen.
Das Problem des Investoreneinflusses in der ostdeutschen Landwirtschaft bleibt ungelöst. Während einige Bundesländer auf strengere Kontrollen drängen, setzen andere auf Bundesaufsicht oder Alternativen wie Bodenfonds. Für die Landwirte bedeutet das vorerst weiter wachsenden Druck, denn nutzbares Land wird knapper – und teurer.