"Miss Germany"-Finale: Zwei Frauen mit Kopftuch brechen mit Klischees und lösen Debatte aus
Marie Schulz"Wir atmen auch durch die Nase" - "Miss Germany" mit Kopftuch - "Miss Germany"-Finale: Zwei Frauen mit Kopftuch brechen mit Klischees und lösen Debatte aus
"Miss Germany"-Wettbewerb krönt dieses Wochenende in München seine Siegerin – darunter zwei Finalistinnen mit Kopftuch
Bei der diesjährigen Wahl zur "Miss Germany" in München stehen neun Finalistinnen im Rampenlicht – darunter Büsra Sayed und Amina Ben Bouzid, die als erste Teilnehmerinnen mit Hidschab für Aufsehen sorgen. Ihre Teilnahme hat eine Debatte ausgelöst: Kritiker hinterfragen, ob sie "deutsch genug" seien, um das Land zu repräsentieren.
Die beiden Frauen sehen sich seit ihrem Einzug ins Finale einer Welle rassistischer und sexistischer Kommentare ausgesetzt. Dennoch bleiben sie entschlossen, Klischees über deutsche Identität herauszufordern.
Sayed und Ben Bouzid haben offen über die Anfeindungen gesprochen, die sie erfahren. Sayed, die in der Kategorie "Female Founder" (Gründerinnen) antritt, betonte, dass etwa 90 Prozent der beleidigenden Nachrichten von Männern stammen. Sie fragte provokant, ob Deutschsein an einer bestimmten Frisur festgemacht werde – eine Reaktion auf Zweifel an ihrer Berechtigung im Wettbewerb.
Ben Bouzid, Finalistin in der Kategorie "Female Leader" (Führungskräfte), sieht sich ebenfalls mit Kritik konfrontiert. Entschlossen erklärte sie: "Wir sind deutsch" – und wies damit Vorwürfe zurück, ihr Äußeres mache sie weniger repräsentativ. Beide Frauen sehen ihre Teilnahme als Chance, anderen mit ähnlichem Hintergrund Mut zu machen.
Der Wettbewerb selbst hat sich von klassischen Schönheitsidealen verabschiedet. Die Veranstalter setzen stattdessen auf Frauen mit Führungspotenzial – etwa zukünftige DAX-Vorständinnen oder Unternehmerinnen. Mindestens sechs der neun Finalistinnen verfügen über akademische Abschlüsse oder Führungspositionen. Dazu gehören die Biologin Amelie Reigl, die mit künstlich gezüchteter menschlicher Haut forscht, und Abina Ntim, Gründerin einer Marke für Lockenpflege. Sayed führt ihr eigenes Modelabel "by Caramella", während Ben Bouzid Frauen bei der Skalierung ihrer Unternehmen unterstützt.
Die Finale findet in den Bavaria Studios in München statt. Neben Sayed und Ben Bouzid treten auch Anne Bäumler an, die bei der Drogeriekette dm ein Team von über 800 Mitarbeitenden leitet, sowie Paula Daub, Vertriebschefin eines Beauty-Tech-Startups. Die Veranstaltung markiert einen bewussten Bruch mit dem früheren Image des Wettbewerbs: Statt äußerer Attribute stehen nun berufliche Erfolge im Mittelpunkt.
Sowohl Sayed als auch Ben Bouzid betonen die Bedeutung von Sichtbarkeit. Ben Bouzid beschrieb es als Ehre, Mädchen den Weg zu ebnen, die sich in ihr wiedererkennen. Ihre Präsenz im Wettbewerb lenkt die Aufmerksamkeit auf Fragen von Identität, Repräsentation und die sich wandelnde Definition von "Miss Germany".
Die Siegerin wird in München gekürt – der Wettbewerb zeigt damit eine neue Richtung auf. Die Teilnahme von Sayed und Ben Bouzid hat sowohl Kritik als auch Unterstützung hervorgerufen und tief verwurzelte Vorurteile offenbart. Ihre Präsenz spiegelt den größeren Wandel wider, wie der Wettbewerb Erfolg und Repräsentation im modernen Deutschland definiert.






