Mileis radikale Reformen spalten Argentinien – und begeistern die FDP
Tim SimonDie FDP und ihre seltsame Liebe zu Javier Milei - Mileis radikale Reformen spalten Argentinien – und begeistern die FDP
Argentiniens Präsident Javier Milei hat seit seinem Amtsantritt 2023 radikale Wirtschaftsreformen durchgesetzt. Seine marktliberalen Schockmaßnahmen haben die Inflation von 300 auf 30 Prozent gedrückt und den Staatshaushalt ausgeglichen. Doch die Umwälzungen vertiefen auch die Armut und sorgen sowohl im Inland als auch international für Kontroversen.
Besondere Aufmerksamkeit erregt derzeit die deutsche FDP, die Mileis Kurs offen lobt. Spitzenvertreter der Partei trafen sich mit ihm – und entfachten damit eine Debatte, ob solche Zustimmungsbekundungen Wähler verprellen könnten, die zwar Reformen befürworten, seinen polarisierenden Stil aber ablehnen.
Mileis Regierung geht mit harter Hand gegen die strukturellen Probleme Argentiniens vor. Innerhalb weniger Monate tilgte sie ein Haushaltsdefizit von 15 Prozent, strich über 53.000 Staatsstellen und setzte 13.500 strukturelle Reformen durch. Die Maßnahmen bremsten die Inflation deutlich und lockten private Investitionen an. Doch der Preis ist hoch: steigende Armut, höhere Lebenshaltungskosten und wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Seine Zustimmungswerte liegen bei 43 Prozent – ein Rückgang gegenüber früheren Hochs –, während Skandale und interne Spannungen zunehmen.
Bei den Midterm-Wahlen im Oktober sicherte sich Mileis Partei rund 40 Prozent der Stimmen und gewann 92 Sitze im Abgeordnetenhaus. Kritiker führen seinen Erfolg teilweise auf eine 20-Milliarden-Dollar-Finanzspritze zurück, die mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump in Verbindung steht. Seine Politik, geprägt von libertären Idealen, setzt auf Deregulierung, Privatbesitz und einen minimalen Staat. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hielt er leidenschaftliche Reden, in denen er Umverteilung ablehnte und einen ungebremsten Kapitalismus verteidigte.
Unterdessen umwirbt die FDP Mileis Modell offen. Parteichef Christian Dürr lobte die wirtschaftliche Wende Argentiniens und verwies auf sinkende Inflation sowie den ausgeglichenen Haushalt. FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner ließ sich in Davos sogar mit Milei fotografieren und nannte seine Reformagenda "inspirierend". Ehemaliger Parteichef Christian Lindner hatte zuvor bereits für Aufsehen gesorgt, als er Mileis kompromisslosen Stil mit Persönlichkeiten wie Elon Musk verglich.
Doch die Strategie der FDP birgt Risiken. Zwar inszeniert sich die Partei als Stimme der "radikalen Mitte", doch ihre Annäherung an rechtspopulistische Kräfte könnte gemäßigtere Wähler verunsichern. Viele, die wirtschaftliche Liberalisierung unterstützen, stehen Mileis konfrontativem Auftreten und den sozialen Folgen seiner Politik skeptisch gegenüber. Angesichts der begrenzten nationalen Bedeutung der FDP stellt sich zudem die Frage, ob solche Bündnisse ihre Position stärken – oder Anhänger vertreiben.
Mileis Reformen haben Argentiniens Wirtschaft umgekrempelt: Die Inflation ist gesunken, der Haushalt konsolidiert. Doch die menschlichen Kosten – wachsende Armut und öffentliche Verärgerung – bleiben ein Zündstoff. Im Ausland zeigt die Begeisterung der FDP für seine Methoden, wie tief der Graben zwischen denen ist, die radikalen Wandel für notwendig halten, und denen, die seine Folgen fürchten. Die kommenden Monate werden sowohl Mileis Durchhaltevermögen als auch die politischen Kalküle der FDP auf die Probe stellen.