Lyten übernimmt Northvolt-Schweden und plant Batteriefabrik in Heide mit neuer Technologie
Lukas BraunLyten plant Batterie-Neustart in Heide mit spezieller Technologie - Lyten übernimmt Northvolt-Schweden und plant Batteriefabrik in Heide mit neuer Technologie
Das US-Unternehmen Lyten hat die insolventen schwedischen Aktivitäten von Northvolt für knapp 5 Milliarden Dollar (rund 4,2 Milliarden Euro) übernommen. Zum Deal gehören das Hauptwerk für Batteriezellen in Skellefteå sowie ein Forschungszentrum in Västerås. Nun richtet das Unternehmen seinen Blick auf Deutschland, wo es in der Nähe von Heide eine große neue Produktionsstätte plant.
Das Vorhaben baut auf Lyten-Schwerpunkt auf Lithium-Schwefel-Batterietechnologie auf, die auf kritische Rohstoffe wie Kobalt und Nickel verzichtet. Stattdessen setzt das Unternehmen auf heimische Rohmaterialien und eine patentierte Plattform auf Graphenbasis, die im kalifornischen San Jose entwickelt wurde.
Lytens Batterien unterscheiden sich in zentralen Punkten von herkömmlichen Lithium-Ionen-Zellen. Sie versprechen höhere Sicherheit und geringere Kosten, benötigen jedoch mehr Lithium und bieten weniger Ladezyklen. Ihre hohe gravimetrische Energiedichte macht sie besonders für Nischenmärkte wie Luftfahrt, Drohnen und Verteidigung attraktiv.
In Deutschland plant Lyten eine kombinierte Produktionsstätte für Batteriezellen, ein Rechenzentrum und eine Energiespeicheranlage. Mit dem Baubeginn könnte bereits 2027 begonnen werden – vorausgesetzt, der Kauf der Northvolt-Tochter in Deutschland wird finalisiert. Verhandlungen mit der Bundesregierung, der KfW-Bank und dem Land Schleswig-Holstein laufen noch.
Ursprünglich hatte Northvolt vor, in Heide eine Batteriefabrik zu errichten, gestützt durch eine 600-Millionen-Euro-Wandelanleihe. Das Projekt sollte rund 3.000 Arbeitsplätze schaffen. Lyten setzt jedoch nicht auf Massenproduktion, sondern zielt auf spezialisierte Anwendungen ab.
Um voranzukommen, benötigt Lyten eine klare Strategie, um aus seinen über 550 Patenten funktionsfähige Industrieprozesse zu entwickeln. Ein Investitionsbeirat mit wichtigen Beteiligten wurde vorgeschlagen, um den langfristigen Erfolg zu sichern. Auch lokale Unterstützung ist entscheidend – gefordert wird eine führende Persönlichkeit in Heide, um die Rückendeckung der Gemeinschaft zu gewinnen.
Die Übernahme der schwedischen Northvolt-Aktivitäten markiert einen wichtigen Schritt für Lytens Expansion in Europa. Sollte das deutsche Projekt realisiert werden, könnte es hochwertige Batterieproduktion nach Heide bringen – allerdings mit Fokus auf anspruchsvolle, aber volumenstarke Nischenmärkte.
Der Erfolg des Plans hängt davon ab, die Northvolt-Tochter zu sichern, die Finanzierung abzuschließen und die Skalierbarkeit der Technologie unter Beweis zu stellen. Sowohl lokale als auch nationale Behörden werden eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des Ergebnisses spielen.