Steinmeier und Merz ehren verstorbenen Philosophen Habermas - Jürgen Habermas stirbt mit 96 – ein Denker der Demokratie geht
Jürgen Habermas, Deutschlands einflussreichster zeitgenössischer Philosoph, ist im Alter von 96 Jahren in Starnberg gestorben. Bekannt für seine intellektuelle Strenge und seinen liberalen Geist, prägte er das demokratische Denken und forderte die Gesellschaft mit seinen kritischen Theorien heraus. Weltweit würdigen Politiker und Gelehrte sein Erbe als einen der prägendsten Denker unserer Zeit.
Habermas erlangte internationale Anerkennung als führender Aufklärungsphilosoph und setzte sich mit den Widersprüchen der Moderne auseinander. Sein soziologisches und philosophisches Werk beeinflusste Generationen von Wissenschaftlern, während seine Lehre den demokratischen Diskurs und die menschliche Emanzipation in den Mittelpunkt stellte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ehrten seine Verdienste; Merz nannte ihn einen der bedeutendsten Denker der modernen Ära.
Zeit seines Lebens bezog Habermas klar politische Position. 2003 gehörte er zu 58 Intellektuellen, die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Irak-Krieg verurteilten und sich gegen die einseitige Intervention der USA aussprachen. Während der Eurokrise (2010–2015) kritisierte er die Sparpolitik und setzte sich für demokratische Reformen in der EU ein. In den 2010er-Jahren warnte er vor Nationalismus und Populismus und betonte deren Gefahren für die europäische Demokratie.
In seinen späteren Jahren verurteilte Habermas die russische Aggression gegen die Ukraine und unterstützte Sanktionen nach der Annexion der Krim 2014 sowie dem Überfall 2022. Er äußerte sich zu Migrationspolitik, dem Aufstieg der rechtspopulistischen AfD in Deutschland und dem, was er als Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit unter der Ampelkoalition (2021–2025) wahrnahm. Steinmeier hob hervor, dass Habermas trotz wachsender Skepsis gegenüber politischen Entwicklungen bis zuletzt im Dialog blieb.
Habermas hinterlässt ein tiefgreifendes intellektuelles Erbe, das demokratische Theorie und öffentliche Debatte über Jahrzehnte geprägt hat. Seine Kritik an Machtstrukturen, sein Eintreten für vernünftigen Diskurs und seine Warnungen vor Bedrohungen der Demokratie werden politische und philosophische Diskussionen weiterhin prägen. Deutschland und die Welt schulden ihm Dank für seine scharfsinnigen Analysen und sein unerschütterliches Engagement für die Werte der Aufklärung.