Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe in Deutschland
Clara FrankeGleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe in Deutschland
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt
In Deutschland nehmen antifeministische Angriffe zu – und damit auch die Anfeindungen gegen Gleichstellungsbeauftragte. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 63 Prozent dieser Beauftragten gezielte Aggressionen erlebt haben, viele von ihnen sogar wiederholt in den vergangenen zwei Jahren. Parallel dazu häufen sich Vandalismusakte gegen Symbole der Gleichberechtigung, darunter die orangefarbenen Bänke der UN-Kampagne Orange the World, die bundesweit aufgestellt wurden.
An der jüngsten Erhebung, an der 350 Gleichstellungsbeauftragte teilnahmen, wird ein besorgniserregendes Muster deutlich: Über 40 Prozent berichten von mehrfachen Angriffen seit 2022 – von Beleidigungen über Budgetkürzungen bis hin zu Sachbeschädigungen. Hinter diesen Vorfällen steht der wachsende Einfluss des Antifeminismus, einer politischen Strömung, die sich gegen die Rechte von Frauen und queeren Menschen richtet und in Deutschland zunehmend an Fahrt aufnimmt.
Beim Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Lübeck trafen sich die Beauftragten unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“. Rund 70 Teilnehmerinnen tauschten sich über Gegenstrategien aus, einige schilderten sogar persönliche Drohungen. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, dass rechtsextreme Aktivisten nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Die Feindseligkeit richtet sich jedoch nicht nur gegen Einzelpersonen. Immer wieder werden die orangefarbenen Bänke der UN-Kampagne Orange the World gegen geschlechtsspezifische Gewalt zum Ziel von Attacken: In Osnabrück wurde eine Bank mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden verschwand eine komplett. In Annweiler am Trifels (Rheinland-Pfalz) wurde der Kampagnenspruch beschädigt. Diese Vorfälle spiegeln einen größeren Trend wider: Allein 2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Fälle – im Schnitt zehn pro Woche.
Politische Rückendeckung für die Gleichstellungsarbeit bleibt indes schwach. Bundesministerin Karin Prien sagte ihre Teilnahme am Kongress kurzfristig ab – ein Zeichen für die mangelnde institutionelle Unterstützung. Die Beauftragten sind daher zunehmend auf Netzwerke und Solidarität angewiesen, um ihre Arbeit unter verschärften Bedingungen fortzuführen.
Die Umfrage und die jüngsten Vorfälle bestätigen einen deutlichen Anstieg antifeministischer Aggression. Die Gleichstellungsbeauftragten reagieren mit dem Ausbau von Bündnissen und dem Austausch über Schutzstrategien. Ohne stärkere politische Unterstützung jedoch wird ihre Arbeit in einem zunehmend feindseligen Klima vor immer größere Herausforderungen gestellt.






