Gewalt gegen Zugbegleiter: Warum die Deutsche Bahn zum gefährlichen Arbeitsplatz wird
Lukas BraunGewalt gegen Zugbegleiter: Warum die Deutsche Bahn zum gefährlichen Arbeitsplatz wird
Zugbegleiter in Deutschland sehen sich zunehmend Bedrohungen und Gewalt während ihres Dienstes bei der Deutschen Bahn ausgesetzt. Allein im vergangenen Jahr wurden über 3.000 Angriffe registriert – im Schnitt acht Vorfälle pro Tag. Die Lage hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verschärft, wobei die Zahl der Übergriffe mehr als doppelt so hoch ist wie noch vor einem Jahrzehnt.
Vor zehn Jahren lag die Zahl der Angriffe auf Bahnmitarbeiter noch deutlich niedriger und erreichte kaum die Hälfte der heutigen Werte. Doch in den letzten Jahren ist eine besorgniserregende Zunahme an Aggression zu beobachten. Viele Vorfälle ereignen sich nachts, wenn das Personal während Später Schichten besonders schutzlos ist.
Der Tod des Zugbegleiters Serkan C. bei einer routinemäßigen Fahrkartenkontrolle hat die Ängste unter den Kollegen weiter verstärkt. Die Zugbegleiter Jalal Youssef und Nicole Arnold beschreiben ihre Schichten im Personalshop der Bahn mittlerweile als unberechenbar und beängstigend. Fahrgäste reagierten zunehmend feindselig, oft eskalieren die Situationen bis hin zu körperlicher Gewalt.
Laut regionalen Daten gab es 2025 allein in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern 111 körperliche Angriffe. Zwar sind ältere Aufzeichnungen lückenhaft, doch der Trend ist eindeutig: Die Übergriffe werden häufiger und brutaler.
Zugbegleiter und Gewerkschaften fordern nun dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit bei der Deutschen Bahn. Sie verlangen mehr Personal, bessere Schutzvorkehrungen und moderne Technologie, um weitere Gewalt zu verhindern. Ohne diese Veränderungen wird sich die Gefahr für Bahnmitarbeiter voraussichtlich weiter verschärfen.
Sicherheitsgipfel kündigt Sofortmaßnahmen zum Schutz von Bahn-Mitarbeitern an
Ein Sicherheitsgipfel am 2. Februar 2026 hat einen Aktionsplan zur Bekämpfung der steigenden Gewalt gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn präsentiert. Wichtige Maßnahmen sind:
- Bodycams für alle kundenorientierten Mitarbeiter in Regional- und Fernzügen.
- 200 zusätzliche Sicherheitspersonal an Bahnhöfen.
- Notfalltasten für Soforthilfe.
- ID-Checks für Fahrgäste werden im März 2026 eingestellt und konzentrieren sich nur noch auf die Ticketverifizierung.
Der Plan folgt auf den tödlichen Angriff auf Zugbegleiter Serkan C. im frühen Februar. Gewerkschaftsführer und Bahn-Chefin Evelyn Palla betonten die dringende Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit angesichts eskalierender Bedrohungen.