Europas Medikamentenversorgung wackelt: Wie geopolitische Krisen Lieferketten bedrohen
Marie SchulzEuropas Medikamentenversorgung wackelt: Wie geopolitische Krisen Lieferketten bedrohen
Europas Arzneimittelversorgung steht vor wachsenden Bedrohungen durch geopolitische Spannungen und Lieferkettenstörungen. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt, dass eine militärische Eskalation im Nahen Osten die Lieferung von Medikamenten schwer beeinträchtigen könnte. Aktuelle Blockaden in der Straße von Hormus und erhöhte Risiken im Schiffsverkehr zwingen Unternehmen, wichtige Handelsrouten neu zu bewerten.
Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen für den globalen Schiffsverkehr, war in diesem Jahr aufgrund der zunehmenden Konflikte im Nahen Osten zeitweise blockiert. Diese Unterbrechung trieb die Preise für Öl und Frachtgüter in die Höhe und setzte die pharmazeutische Lieferkette in Europa unter Druck. Viele Reedereien stufen die Route zwischen Asien und Europa mittlerweile als Hochrisikogebiet ein – einige meiden sie sogar vollständig. Die alternative Route um das Kap der Guten Hoffnung verlängert die Transportdauer um zehn bis vierzehn Tage und ist deutlich teurer.
Europas starke Abhängigkeit von Asien, insbesondere von China, bei Medikamenten und pharmazeutischen Wirkstoffen hat sich zu einer strategischen Schwachstelle entwickelt. Der BPI reagiert darauf mit einem Zehn-Punkte-Sicherheitsplan, um die Widerstandsfähigkeit zu stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen zu verringern. Die Strategie umfasst den Ausbau der europäischen Produktion, die Abstimmung von Industrie- und Gesundheitspolitik sowie die Einstufung der pharmazeutischen Forschung als Teil der nationalen Sicherheit.
Ein vorübergehender Waffenstillstand zwischen dem Iran und Israel im Juni 2025 senkte das Risiko weiterer Blockaden der Straße von Hormus auf etwa vier Prozent. Zwar wurden kurzfristige Preisspitzen bei Öl erwartet, doch Analysten prognostizierten, dass sich der Preis für Brent-Rohöl bis Ende 2026 bei etwa 60 US-Dollar pro Barrel stabilisieren würde. Dennoch betont der BPI, dass langfristige Lösungen notwendig seien, um die Arzneimittelversorgung abzusichern.
Der Verband fordert zudem, dass Deutschland innerhalb der EU und der NATO eine führende Rolle übernimmt. Durch die Stärkung der Krisenvorsorge und eine bessere Koordination der medizinischen Logistik in Europa ließen sich künftige Störungen abmildern. Der BPI-Plan setzt auf eine größere Versorgungssouveränität und die Fähigkeit, in globalen Krisen eigenständig handeln zu können.
Mit seinen Vorschlägen will der BPI die pharmazeutische Versorgung Europas gegen anhaltende geopolitische Risiken wappnen. Durch die Verringerung der Abhängigkeit von asiatischen Importen und eine verbesserte Krisenkoordination soll der Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten langfristig gesichert werden. Der Erfolg dieser Maßnahmen hängt in den kommenden Jahren von einer engeren Zusammenarbeit innerhalb der EU und der NATO ab.






