EMAF zeigt umstrittenen Film palästinensischer Künstlerin trotz Antisemitismus-Vorwürfen
Lukas BraunEMAF zeigt umstrittenen Film palästinensischer Künstlerin trotz Antisemitismus-Vorwürfen
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat beschlossen, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Basma Al-Sharif zu zeigen – trotz Vorwürfe des Antisemitismus gegen sie. Die Entscheidung sorgt für Kontroversen: Lokale Politiker und Verantwortliche kritisieren die Auswahl des Festivals, während Befürworter argumentieren, dass ein Ausschluss ihrer Arbeit eine palästinensische Perspektive in der laufenden Debatte über künstlerische Freiheit und Verantwortung zum Schweigen bringen würde.
Im Mittelpunkt des Streits stehen nicht Al-Sharifs Film Morning Circle, sondern ihre früheren Aktivitäten in sozialen Medien. Kritiker verweisen auf ihre angebliche Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen), die der Deutsche Bundestag 2019 als antisemitisch eingestuft hat. Seither sieht sich BDS mit Förderverboten, Veranstaltungsbeschränkungen und juristischen Herausforderungen konfrontiert. Gleichzeitig sind Kulturinstitutionen – vom Berliner Maxim-Gorki-Theater bis zu Universitäten wie der Humboldt-Uni – zu Schauplätzen pro-palästinensischer Aktionen und Gegenkampagnen geworden.
Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, verteidigte die Festival-Entscheidung. Ein Ausschluss palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismus-Bekämpfung trage kaum zur Friedensförderung im Nahen Osten bei, so Groß. Der Osnabrücker Kulturdezernent Wolfgang Beckermann räumte hingegen ein, er hätte Al-Sharifs Film wegen ihrer umstrittenen Äußerungen lieber nicht im Programm gesehen.
Die Stadt Osnabrück, die das EMAF mit jährlich rund 150.000 Euro fördert, distanzierte sich von der Entscheidung. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) übt Kritik – die Förderung bleibt jedoch unangetastet. Festival-Leiterin Katrin Mundt bezeichnete Al-Sharifs Social-Media-Posts, darunter ein Halloween-Foto mit rotem Dreieck, als mehrdeutig und interpretationsoffen.
Das diesjährige EMAF-Motto "An Incomplete Assembly" thematisiert gezielt die Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung. Das Festival arbeitete bereits früher mit palästinensischen Künstlern zusammen, integrierte aber auch jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm.
Die Vorstellung von Al-Sharifs Film findet wie geplant statt – und hält damit die Debatte über künstlerischen Ausdruck und politische Grenzen am Leben. Während das EMAF an seiner Haltung festhält, zeigt die Kontroverse die anhaltenden Gräben in Deutschland auf: zwischen BDS, Meinungsfreiheit und Kulturförderung. Die städtischen Mittel für das Festival bleiben zwar gesichert, doch der Streit spiegelt die tiefer liegenden Spannungen in der deutschen Kultur- und Politiklandschaft wider.






