Deutschland rutscht im Korruptionsindex ab – trotz besserer Platzierung
Marie SchulzDeutschland verbessert sich im Korruptionsindex - Kritik an der 'Bürokratieabbau' - Deutschland rutscht im Korruptionsindex ab – trotz besserer Platzierung
Deutschland ist im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 von Transparency International um fünf Plätze auf Rang 10 gestiegen. Doch während die Platzierung besser wurde, sank die Punktzahl von 81 im Jahr 2016 auf nun 77 – ein Zeichen für nachlassende Bemühungen im Kampf gegen Korruption. Experten warnen, dass jüngste Gesetzesänderungen, insbesondere bei der militärischen Beschaffung, die Lage weiter verschärfen könnten.
Der aktuelle Index, der 182 Länder umfasst, zeigt den globalen Durchschnittswert auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt: nur noch 42 Punkte. Deutschlands bessere Platzierung ist teilweise auf Rückgänge in Ländern wie Australien, Irland und Uruguay zurückzuführen – doch die eigene Bewertung verschlechtert sich weiterhin. Transparency International betont, dass selbst etablierte Demokratien zunehmend von Korruptionsrisiken bedroht sind, oft angetrieben durch rechtspopulistische und populistische Parteien, die Schutzmechanismen abbauen.
Besonders problematisch sind jüngste deutsche Gesetze wie das "Gesetz zur Beschleunigung von Planung und Beschaffung für die Bundeswehr", das die Kontrolle bei öffentlichen Aufträgen schwächt. Zwar bleiben Details zu neuen Überwachungsmechanismen unklar, doch beschleunigte Verfahren in Bereichen wie Finanzen und Firmenregistrierungen geben Anlass zur Sorge. Alexandra Herzog, Vorsitzende von Transparency Deutschland, warnt, dass geringere Transparenz im Vergaberecht den Punktwert des Landes weiter drücken könnte.
Der Bericht unterstreicht zudem, dass eine schwächere Rechtsstaatlichkeit, eingeschränkte Medienfreiheit und ein begrenzter Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft Länder anfälliger für Korruption machen. Ungarn, das innerhalb der EU einen historischen Tiefstand erreicht hat, dient als eindringliches Beispiel für diese Entwicklung.
Deutschlands Aufstieg auf Platz 10 verschleiert den anhaltenden Rückgang seiner Anti-Korruptionsleistung. Angesichts des weltweiten Zehnjahrestiefs und wachsendem Druck auf inländische Kontrollinstanzen warnen Fachleute, dass ein weiterer Abbau von Schutzmechanismen das Problem vertiefen könnte. Der Index 2025 macht deutlich: Sowohl etablierte als auch gefährdete Demokratien brauchen stärkere Schutzmaßnahmen.