Asylanträge in Hessen halbieren sich – doch Wartezeiten explodieren bis 2025
Clara FrankeGeringere Anzahl von Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern - Asylanträge in Hessen halbieren sich – doch Wartezeiten explodieren bis 2025
Asylanträge in Deutschland haben in den letzten Jahren starke Schwankungen erlebt, wobei die Zahlen je nach globalen Ereignissen und politischen Änderungen stiegen oder fielen. In Hessen ging die Gesamtzahl der Nachrichten aktuell von 2024 auf 2025 deutlich zurück, während sich gleichzeitig die Bearbeitungszeiten in den Erstaufnahmeeinrichtungen für bestimmte Gruppen stark verlängerten. Der Anteil der Asylsuchenden aus sogenannten "sicheren Herkunftsstaaten" blieb hingegen durchgehend gering.
Deutschland stuft zehn Länder als "sichere Herkunftsstaaten" ein – das bedeutet, sie gelten als frei von staatlicher Verfolgung und in der Lage, ihre Bewohner vor nichtstaatlichen Bedrohungen zu schützen. Zu dieser Liste gehören Albanien, Bosnien und Herzegowina, Georgien, Ghana, der Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro, die Republik Moldau, der Senegal und Serbien. Dennoch stammte in Hessen in den vergangenen drei Jahren kein einziger Prozentpunkt aller Asylanträge aus einem dieser Länder.
Bundesweit schwankten die Asylzahlen seit 2020 stark. Damals sanken die Anträge auf etwa 122.000 – auch bedingt durch die COVID-19-Beschränkungen. Bis 2023 stiegen sie dann auf über 390.000 an, vor allem wegen ukrainischer Geflüchteter, die vor dem russischen Angriffskrieg flohen. 2024 sorgten strengere EU-Grenzkontrollen und interne Reformen für einen Rückgang auf rund 350.000 Anträge.
In Hessen war der Rückgang noch deutlicher. Fast 15.000 Menschen beantragten dort 2024 Asyl, doch 2025 halbierte sich diese Zahl auf knapp 8.000. Trotz des Rückgangs nahmen die Bearbeitungsverzögerungen zu. Syrer verbrachten 2025 im Schnitt 197 Tage in Erstaufnahmeeinrichtungen – 2023 waren es noch 66 Tage gewesen. Türkische Staatsbürger mussten noch länger warten: Ihre Wartezeit stieg von 63 Tagen im Jahr 2023 auf 226 Tage im Jahr 2025.
Die Daten zeigen einen klaren Trend: Weniger Asylsuchende kommen nach Hessen, doch wer ankommt, muss deutlich länger auf die Bearbeitung seines Falls warten. Zwar machen Antragsteller aus "sicheren Herkunftsstaaten" nur einen winzigen Teil der Gesamtzahl aus, doch das gesamte System steht durch die verlängerten Bearbeitungszeiten unter anhaltendem Druck. Die Verzögerungen belasten sowohl Neuankömmlinge als auch die Kapazitäten der Aufnahmeeinrichtungen in der gesamten Region.