Anna Netrebko polarisiert mit Un ballo in maschera an der Berliner Staatsoper
Marie SchulzAnna Netrebko polarisiert mit Un ballo in maschera an der Berliner Staatsoper
An der Berliner Staatsoper feierte Un ballo in maschera mit Anna Netrebko in der Hauptrolle Premiere
Die Neuinszenierung von Verdis Ein Maskenball mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Titelrolle sorgte sowohl für begeisterten Applaus als auch für Proteste vor dem Opernhaus. Rund 50 Demonstranten schwenkten ukrainische Flaggen und skandierten Parolen gegen die russisch-österreichische Sängerin.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verbindet Verdis Oper mit Themen der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise. Netrebko übernahm die Rolle der Amelia im Rahmen des Weihnachtsprogramms der Staatsoper – ein weiterer Schritt in ihrer schrittweisen Rückkehr auf deutsche Bühnen.
Ihr Auftritt in Berlin erfolgte nach Jahren der Kontroverse. 2022 hatten ihre angeblichen Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin zur Kündigung ihres Vertrages mit der Staatsoper geführt. Die öffentliche Meinung in Deutschland war damals deutlich gegen sie gerichtet. Doch bis 2025 trat sie wieder an Häusern wie der Hamburger Staatsoper und der Oper Leipzig auf, während die Debatten über künstlerische Freiheit und politische Haltung an Komplexität gewannen.
Vor der Premiere versammelten sich etwa 50 Protestierende vor dem Gebäude, hielten ukrainische Flaggen hoch und riefen Sprüche wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Im Inneren des Theaters fielen die Reaktionen gemischt aus: Netrebko erhielt zwar starken Applaus für ihre Darstellung, doch einige Zuschauer buhten auch.
Regisseur Rafael R. Villalobos verlieh der Inszenierung eine moderne Note, indem er Bezüge zur queeren Ballroom-Szene und zur AIDS-Epidemie einwebte. Die Umsetzung wurde für ihren mutigen Ansatz gelobt, und sowohl die Sänger als auch die Musiker ernteten lang anhaltenden Beifall.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, hatte sich vorab zu den Kontroversen geäußert. Sie betonte, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit dem Überfall auf die Ukraine nicht dorthin zurückgekehrt. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, war zuletzt im Sommer 2023 unter weitaus größerer Beobachtung in Berlin aufgetreten.
Die Premiere von Un ballo in maschera unterstrich die anhaltenden Spannungen zwischen Kunst und Politik. Netrebkos Auftritt stieß auf sowohl Zustimmung als auch Ablehnung und spiegelte die gespaltene Meinung über ihre Rückkehr wider. Die Inszenierung selbst, mit ihren markanten thematischen Entscheidungen, fügte der Debatte um ihren Auftritt eine weitere Ebene hinzu.






