Agravis startet Süddeutschland-Offensive und nutzt BayWa-Schwäche aus
Agravis Raiffeisen AG dringt in Süddeutschland vor und will im Agrarhandel verlorenes Terrain zurückgewinnen. Der zweitgrößte deutsche Anbieter in diesem Bereich, der sich lange auf Regionen von den Niederlanden bis Polen konzentriert hat, setzt nun auf Bayern und Baden-Württemberg. Gleichzeitig kämpft der Marktführer BayWa AG mit finanziellen Problemen, sinkenden Umsätzen und wachsender Verschuldung.
Agravis verzeichnete 2025 einen stabilen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro – ein leichter Rückgang gegenüber den Vorjahren. Der Gewinn vor Steuern stieg jedoch von 65 Millionen auf 70,1 Millionen Euro im Vergleich zu 2024. Dies folgt auf einen fünfjährigen Marktanteilsverlust: Zwischen 2021 und 2025 sank der Anteil des Unternehmens von 18 auf 15 Prozent. Konkurrenten wie die BayWa AG bauten ihre Position durch Übernahmen und digitale Investitionen auf 22 Prozent aus, während die Südzucker AG konstant bei 12 Prozent blieb.
In Süddeutschland wird Agravis nicht unter eigenem Namen auftreten, sondern als Partner lokaler Genossenschaften in Bayern und Baden-Württemberg agieren. Dieser Ansatz unterscheidet sich von der traditionellen Stärke des Unternehmens in Nordwest- und Ostdeutschland, wo es den Markt seit Langem dominiert.
Der Branchenprimus BayWa AG ringt unterdessen mit Umstrukturierungen und hoher Verschuldung. Der Umsatz des Konzerns sank in den ersten neun Monaten 2025 auf 9,6 Milliarden Euro – ein Zeichen für die Herausforderungen angesichts sich wandelnder Marktbedingungen.
Die Expansion von Agravis nach Süddeutschland markiert eine strategische Neuausrichtung nach Jahren des Marktanteilsverlusts. Die stabilen Umsätze und steigenden Gewinne deuten auf eine vorsichtige Erholung hin, während die finanziellen Schwierigkeiten von BayWa die Unsicherheit in der Branche weiter verstärken. Der Schritt könnte den Wettbewerb im Agrarhandel bundesweit neu ordnen.






