70 Meter über St. Pauli: Mein waghalsiges Abenteuer auf dem Hamburger Dom
Clara Franke70 Meter über St. Pauli: Mein waghalsiges Abenteuer auf dem Hamburger Dom
26 Jahre lang habe ich in der Nähe des Heiligengeistfelds in Hamburg gewohnt, wo dreimal im Jahr der Dom stattfindet. Die Attraktionen des Volksfests sind im Laufe der Zeit immer spektakulärer geworden – manche katapultieren die Fahrgäste mittlerweile 100 Meter in die Höhe. Doch ich hatte all die Jahre nur aus sicherer Distanz zugesehen – bis mich zwei Freunde überredeten, etwas Harmloseres auszuprobieren: eine Aussichtsgondel, die mich 70 Meter in den Himmel befördern sollte.
Die Idee stammte nicht von mir. Meine Freunde, begeisterte Fans des Hamburger Doms, drängten mich, meine Komfortzone zu verlassen. Oft hatte ich auf meinem Balkon gestanden und die wirbelnden, schlingernden Fahrgeschäfte mit einer Mischung aus Faszination und Unbehagen beobachtet. Doch diesmal versicherten sie mir, die Gondel sei etwas ganz anderes – keine wilden Drehungen, nur ein ruhiger Aufstieg.
Die Kabine stieg sanft empor und bot einen weiten Blick über St. Pauli. Anders als die extremen Fahrgeschäfte des Doms blieb sie stabil, mit genug Haltemöglichkeiten. Trotzdem kroch die Nervosität hoch. Vor dem Einsteigen hatte ich eine Regel aufgestellt: "Wer mit mir hochfährt, fährt auch mit mir wieder runter." Meine Freunde willigten ein, und die kurze Fahrt endete ohne Zwischenfälle.
Doch die Erleichterung währte nicht lange. Kaum stand ich wieder auf festem Boden, blieb ein Gedanke hängen: Das mache ich nie wieder.
Die Erfahrung bewies, dass selbst die harmlosesten Attraktionen des Doms die Nerven eines langjährigen Zuschauers auf die Probe stellen können. Während meine Freunde nach wie vor von den adrenalingeladenen Fahrgeschäften schwärmen, werde ich zu meinem gewohnten Platz zurückkehren – und das Treiben sicher vom Balkon aus verfolgen. Die gigantischen Fahrgeschäfte werden sich weiterdrehen, doch beim nächsten Mal bleibe ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden.






